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Packaging Corporation of America (1/2)

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Analyse 2019 - Packaging Corporation of America
Analysis Report 2019_Packaging Corp of A
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Historie

 

Die Packaging Corporation of America (PCA) entstand im Jahr 1959 durch den Zusammenschluss der drei Verpackungshersteller Central Fiber Products Company (1867), American Box Board Company (1903) und Ohio Boxboard Company (1903). 1965 wird das Unternehmen von Tenneco (heute Pactiv Corp.) übernommen. Im Jahr 1999 schloss sich PCA mit der Investmentgesellschaft Madison Dearborn Partners zusammen und erwarb das Papierverpackungssegment des Mutterkonzerns Tenneco zurück. 2000 zog das Management mit dem Verpackungshersteller an die New York Stock Exchange mit einem Einstandspreis von 12 USD.

 

Unternehmen

 

Die Packaging Corp. of America ist im Bereich der Herstellung von Verpackungsprodukten aus Pappkarton die Nummer Fünf auf dem Weltmarkt. Auf dem Heimatmarkt, den USA, liegt PCA hinter den Herstellern International Paper und WestRock auf Platz Drei.  Das Unternehmen bietet in seinem Sortiment eine Vielzahl unterschiedlicher Verpackungen von den weit verbreiten und traditionellen Wellpappschachteln bis hin zu qualitativ hochwertigen Grafikverpackungen für nahezu jede Produktgröße und -art an. PCA verkauft seine Produkte an über 18.000 Abnehmer. 75% der Umsatzerlöse werden dabei mit lokalen Kunden. Die Kunden stammen vor allem aus den Bereichen Lebensmittel, Getränke sowie Industrie- und Konsumgüter. Rund 14% der Umsätze generiert PCA mit dem zweiten Geschäftsbereich. Das Unternehmen ist der drittgrößte US-Produzent von unbeschichtetem Papier. Zum Produktportfolio gehört neben klassischem weißen Papier noch Rohstoff- und Spezialpapier sowie deren kundenspezifische Herstellung.

 

Factsheet - PCA

 

Entwicklung 2008-2018: Umsatzerlöse (USDbn) und EBITDA Marge

Footprint 2018


Entwicklung 2010-2019: EPS und Aktienkurs (in USD)

Entwicklung 2008-2018: Eigenkapitalquote



1. ÜBERSICHT (USA)

Population

 

Die Bevölkerung der USA erreichte im September 2018 einen Wert von 327,13 Mio. Einwohner. In den nächsten vier Jahren wird sich diese um jährlich ca. 0,7% auf 339 Mio. im Jahr 2022 erhöhen. Die Bundesbehörde „United States Census Bureau“ geht davon aus, dass sich die Bevölkerung der USA bis ins Jahr 2060 auf 416,8 Mio. Einwohner entwickeln wird. Aktuell leben rund 90% der US-Amerikaner in Städten. Die Urbanisierung des Landes wird auch in Zukunft zunehmen. Die Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen prognostiziert für die USA eine Urbanisierungsrate von 95% im Jahr 2040.

 

Wirtschaftsentwicklung

 

Unter Berücksichtigung der wichtigsten Indikatoren fällt der wirtschaftliche Ausblick für die USA gemischt aus. Das reale Bruttoinlandsprodukt des Landes erreichte bis zum Jahresende 2018 eine Wachstumsrate von 2,9%. Im Vergleich zu den wichtigen Industrienationen (exkl. China) wächst die US-Wirtschaft damit überdurchschnittlich hoch. In den nächsten zwei Jahren wird die Wachstumsrate im Bereich zwischen zwei und drei Prozent liegen.

 

  - Sinkende Arbeitslosenquote und steigende Einkommen.

  - Hohe Konsumbereitschaft der Verbraucher.

  - Steigende Staatsausgaben (Infrastrukturprojekte).

  - Erholung in der Öl- und Gasbranche.

 

Im September 2018 lag die Staatsverschuldung der USA bei ca. 21,5 Bio. USD. Die Verschuldungsquote liegt somit bei 129,7%. 2019 werden vermutlich weitere 900 MRd. USD hinzukommen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte im diesbezüglich im Oktober letzten Jahres (2018) vor den Folgen eines aktuell neu diskutierten Konjunkturprogramms der US-Regierung.

 

Im Rahmen des politischen Versprechens „America First“ traf US-Präsident Donald Trump zudem bereits eine Vielzahl protektionistischer Maßnahmen und verhängte Strafzölle gegen die europäische Union und China sowie Kanada und Mexiko. Vor allem der Handelsstreit mit China sorgt unter Ökonomen für Bedenken gegenüber den bisher angenommenen Wachstumsraten für die US-Wirtschaft. Durch die Strafzölle gefährdet der US-Präsident den globalen Freihandel sowie wirtschaftlich wichtig Beziehungen zu seinen Handelspartnern. Im Mai diesen Jahres (2019) kam es erneut zu einem Rückschlag in der Verhandlungsphase zwischen beiden Parteien.

 

Im Juni letzten Jahres (2018) erhöhte die FED den Leitzins auf 1,75 bis 2,0%. Für das Jahr 2019 wird jedoch aufgrund einer prognostizierten abschwächenden Dynamik in der US-Wirtschaft davon ausgegangen, dass der Leitzines zunächst nicht weiter erhöht wird. Die Anhebung des Leitzins führt in der Regel zu verteuerten Krediten und somit sinkenden Investitionsausgaben. Der Wechsel von einer expansiven Geldpolitik hin zu einer straffen Zinspolitik bringt immer Risiken für die Wirtschaft eines Landes mit sich. Bisher zeigt sich die US-Wirtschaft jedoch noch unbeeindruckt von den getätigten Maßnahmen der FED. Die Inflation betrug laut FED zum Jahresende 2018 ca. 2%. Für die Jahre 2019 und 2020 liegen die Prognosen der Zentralbank bei 1,8 und 2%. Dies verschafft der FED ausreichend Spielraum, den Leitzins in Zukunft auf ein Niveau zur Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung anzuheben.

 

Wachstumsprognose 2016-2022: US-Bevölkerung (in Mio.)

Wachstumsprognose 2016-2022: Reales BIP der wichtigsten Industrienationen (excl. China)


 

Arbeitsmarkt

 

Die US-Behörde Bureau of Labor Statistics veröffentlicht für jedes Jahrzehnt einen Bericht zur Entwicklung des Arbeitsmarktes in den Vereinigten Staaten. Darin wird davon ausgegangen, dass sich der Arbeitsmarkt bis 2020 vollständig von der Rezession erholen und eine Arbeitslosenquote von knapp vier Prozent erreichen wird. Bis 2022 wird sich die Arbeitslosenquote auf knapp fünf Prozent erhöhen, so das Büro. Die ehemalige FED-Präsidentin Janet Yellen traf während ihrer Tätigkeit die Aussage, die reale Arbeitslosenquote sei in der Realität rund doppelt so hoch wie die öffentlich berichteten Zahlen angeben. Dies lässt aufeine reale Arbeitslosenquote von aktuell 7,8% schließen. Aufgrund der alternden Gesellschaft werden die Branchen Gesundheitsversorgung und Sozialhilfe den größten Anstieg am Arbeitsmarkt verzeichnen. Des Weiteren wird die Technologiebranche einen weiterhin wichtigen Wachstumstreiber darstellen.

 

Konsumbereitschaft

 

Die Konsumbereitschaft der Verbraucher ist ein wichtiger Treiber der US-Wirtschaft. 2017 lag die Wachstumsrate der Konsumausgaben bei ca. 2,5%. In den nächsten vier Jahren wird das Wachstum voraussichtlich langsam abkühlen und zum Jahresende 2022 1,25% betragen. Trotz zuletzt schwächelnder Exportgeschäft und stagnierender Immobilienkäufe konnten die Konsumausgaben in den vergangenen vier Jahren konstant zunehmen. Die Kombination aus hohen Beschäftigungszahlen und einem wachsenden Durchschnittseinkommen gaben dem „Consumer Confidence Index“ der USA in den letzten Jahren Rückenwind. Im April diesen Jahres (2019) konnte dieser, nach kurzzeitiger Delle im Jahr 2018, wieder ansteigen und erreichte im April 2019 einen Wert nahe der Marke von 130 (CEIC). Solange das reale Beschäftigungswachstum anhält und das Einkommensniveau auf hohem Niveau bleibt, kann auch mittelfristig von steigenden Konsumausgaben ausgegangen werden.  Obwohl sich das Leben der Amerikaner in den letzten Jahren stark verbessert hat, bleibt die zunehmend hohe Einkommensungleichheit eine große Herausforderung für die ökonomische und soziale Gesundheit der USA. 

 

Unternehmensinvestitionen

 

Die Gewinne der Unternehmen nach Steuern stiegen in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 1,1%. Die erhöhte Konsumbereitschaft der US-Bevölkerung, steigende Exportquoten und sinkende Steuersätze werden den Unternehmen auch in Zukunft zugute kommen. Unternehmensinvestitionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Prognose von Wachstumsraten für die US-Wirtschaft. Die steigenden Unternehmensgewinne führten in den letzten Jahren zu erhöhten Ausgaben der Unternehmen. Die Unternehmensinvestitionen stiegen in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 2,8% und erreichten zum zweiten Quartal 2018 ein Volumen von 1.986 Mrd. USD. Bis 2022 wird hier von jährlich einstelligen Wachstumsraten ausgegangen.

 

Wachstumsprognose 2016-2022: Arbeitslosenrate der wichtigsten Industrienationen (excl. China)

Wachstumsprognose 2016-2022: Konsumausgaben, Unternehmensprofite und -investitionen (USA)



2. DER MARKT

Pappkarton mag auf den ersten Blick nicht aufregend erscheinen. Dahinter verbirgt sich jedoch ein wichtiger Markt. Mehr als 80% der weltweit versandten Konsumgüter werden mit Hilfe von Verpackungen aus Pappkarton transportiert, so Analyst Michael Rivers von Athena Capital. Pappkarton wird im Wesentlichen aus Spezialpapier hergestellt. Aus diesem Grund sind die führenden Hersteller oftmals in der Karton- sowie der Papierherstellung tätig. Die Verpackungen bestehen hauptsächlich aus Wellpappe. Wellpappe ist ein Erzeugnis der Papierverarbeitung. Sie entsteht durch das Zusammenkleben von mindestens einer glatten und einer gewellten Papierbahn. Papier, ein leichtes Material, erhält eine außerordentliche Festigkeit, wenn es gewellt bzw. geriffelt wird. Durch eine Art Leichtbaukonstruktion aus Papier entsteht somit ein stabiles Verpackungsmittel. In der Industrie wird zwischen der ein-, zwei- und dreiwellig verklebten Wellpappe unterschieden. Das verwendete Material besteht zum größeren Teil aus Frischfasern, sowie zu einem kleineren Teil aus recycelten Fasern. Je höher der Anteil der frischen Fasern, desto stabiler die Wellpappe und das Produkt. Pappkarton ist im Verhältnis zu seiner Größe leicht. Der Gewichtspreis fällt somit im Vergleich zu anderen Verpackungsmaterialien niedrig aus. Unternehmen können dadurch Einsparungen bei den Frachtkosten vornehmen. Der Großteil der weltweit versandten Konsumgüter wird mit Hilfe von Verpackungen aus Pappkarton transportiert. Ein Großteil der Kartonverpackungen wird nach den Anforderungen der Endverbraucher hinsichtlich der Größe, Stärke und des Designs angefertigt. Die Verpackungen werden dabei vor allem auf Bestellung produziert.

 

Entwicklung 2015-2018: Marktkonsolidierung

Konsolidierung

 

Die Verpackungsindustrie befindet sich seit einiger Zeit in einer Konsolidierungsphase. Vor 20 Jahren betrug der Anteil der vier größten Hersteller von Produkten aus Pappkarton noch 37%. Mittlerweile (2018) liegt deren Anteil bei ca. 78%, so der Analyst Michael Rivers von Athena Capital. 

 

Der wachsende Wettbewerb führt zu einer Vielzahl von Übernahmen in der Branche, da es den privaten kleineren Unternehmen zunehmend an Kapazitäten, Ressourcen und an Expertise fehlt. 

 

Nach Angaben von PCA konkurrierte das Unternehmen vor 10 Jahren noch mit 625 privaten Wettbewerbern und 1.340 Herstellungsanlagen. Seither sank die Zahl der Konkurrenten auf 460 Unternehmen und 1.200 Anlagen.


Nachfrage nach Papier- und Kartonverpackungen in den USA nach Typ (2016)

Marktgröße

 

Das Research-Unternehmen GR&DS bestimmt und prognostiziert für die Produktion von sowie Nachfrage nach Verpackungen aus Karton und Papier in den USA eine durchschnittlich jährliche Wachstumsrate von 3,4% zwischen 2010 und 2021. Mit 33% machen die klassischen Pappkartonagen für den Transport von Gütern den größten Teil der Marktnachfrage aus. 

 

Nach Angaben des Analysten Michael Rivers von Athena Capital betrug der Marktanteil der vier führenden Hersteller von Verpackungen aus Pappkarton in den USA im Jahr 2015 73%. 2018 erreichten diese einen Anteil von 78%. Auf Basis dieser Angaben und den US-Umsatzerlösen der vier größten US-Unternehmen International Paper, WestRock, PCA und Sonoco Proucts im Segment Packaging lässt sich für den US-Markt im Jahr 2018 ein Marktumsatz von insgesamt 51 Mrd. USD berechnen. Diese Zahl liegt in Übereinstimmung mit den Zahlen des Marktspezialisten Smithers Pira.  2015 lag der Umsatz noch bei knapp 44 Mrd. USD. Dies entspricht einem CAGR von 5%.


Prognose 2010-2021: Nachfrage nach Papier- und Kartonverpackungen in den USA (tonsmn)

Prognose 2010-2021: Produktion von Papier- und Kartonverpackungen in den USA (tonsmn)


 

US-Papierindustrie

 

Nach Angaben der Wirtschaftskammer deckt die US-Papierindustrie etwa 4% des gesamten US Bruttoinlandproduktes ab. Zu den Hauptproduktkategorien zählen Seidenpapier, unbeschichtetes Papier, beschichtetes Druckpapier, gestrichene Papiere, Haushalts- und Hygienepapier sowie Briefpapier und Papiersäcke. Trotz andauernder Konsolidierung ist die Branche nach wie vor sehr breit aufgestellt. Neben führenden US-Konzernen wie International Paper, Georgia Pacific, PCA und WestRock sind noch eine Vielzahl kleinerer Produzenten auf dem Markt tätig, so die Handelskammer. Die Papier- und Zellstoffindustrie ist zudem ein sehr kapitalintensives Geschäft. Die Markteintrittsbarrieren sind für potentiell neue Firmen hoch. 

 

Nach Angaben der Research-Organisation RISI sank die Nachfrage nach Papier in Nordamerika seit 2009 um durchschnittlich 2,9% pro Jahr auf 78 Mio. Tonnen in 2017. Die fehlende Nachfrage führte auch zu einem Verfall der Rohstoffpreise in der Industrie. Dieser sank in den letzten 10 Jahren um insgesamt 7,4%. Die Nachfrage nach Druck- und Schreibpapier leidet weiterhin unter dem Fortschritt der Digitalisierung. Zu den Herausforderungen der Papierindustrie gehören der Wettbewerb durch digitale Medien und Technologien sowie die Wahrnehmung einiger Verbraucher, dass die Branche destruktiv und umweltbedingt nicht nachhaltig ist, so ein Bericht (Monitor Paper & Packaging) der Great American Group.

 

Vor allem die Nachfrage nach Zeitungen verlangsamt sich. Nach Angaben des Pew Research Center erhielten 45% der erwachsenen US-Bürger, also fast die Hälfte der US-Bevölkerung, 2017 regelmäßig Nachrichten über ihre mobilen Endgeräte. Dies entspricht einem Anstieg von 15% in den letzten 5 Jahren. Längst haben die E-Mail und andere Formen der Kommunikation auch in der Geschäftswelt den klassischen Gebrauch von Papier abgelöst. Umwelt- und Kostenvorteile überzeugen die Vorstände zunehmend vom Abbau des Papierverbrauchs.

 

Entwicklung 2009-2017: Nachfrage nach Papier in Nordamerika (tonsmn)

Entwicklung 2009-2019: Preise für unbeschichtetes Papier (USD je Tonne)


 

 

US-Verpackungsindustrie (Pappkarton) - Wachstumstreiber und Risikofaktoren

 

1. Urbanisierung

 

Die Verpackungsmittelindustrie profitiert von allgemeinen strukturellen Entwicklungen in der Wirtschaft und Bevölkerung. Dabei spielt vor allem die Entwicklung der privaten Konsumausgaben eine wesentliche Rolle. Nach Angaben der US-amerikanischen Strategieberatung McKinsey entfiel bis zur Jahrtausendwende noch mehr als die Hälfte des weltweiten Konsumwachstums auf den Anstieg der Weltbevölkerung. Bis ins Jahr 2030 wird dessen Wachstumsanteil bei nur noch 25% liegen . Die sich wandelnde demografische Entwicklung führt zu einer Neuausrichtung der Wachstumsmotoren für den Konsum. Der Verbrauch pro Kopf wird in Zukunft die entscheidende Rolle spielen.

 

Ein wesentlicher Antrieb für den Verbrauch pro Kopf liegt in der steigenden Urbanisierung. Nach Angaben von McKinsey werden bis ins Jahr 2030 über 90% des Konsumwachstums von Menschen generiert, die in urbanen Räumen leben. Die Urbanisierungsraten steigen weltweit an. Die Bundesbehörde United States Census Bureau prognostiziert, dass sich die weltweit durchschnittliche Urbanisierungsrate bis 2040 von 54 im Jahr 2015 auf 64% erhöhen wird. Zunehmend viele Menschen ziehen aufgrund verbesserter beruflicher Perspektiven von ländlichen Regionen in die Stadt. Aufgrund niedrigerer Arbeitslosenquoten und höherer Durchschnittseinkommen sind die Konsumenten in urbanen Räumen eher dazu bereit, mehr Geld für Lebensmittel, Getränke, Kosmetik sowie Elektro- und Konsumartikel auszugeben. Als Folge steigt dort der Verbrauch pro Kopf und die Nachfrage nach Verpackungsmaterial.

 

Nordamerika verfügt mit ca. 83% über eine der weltweit höchsten Raten. Die US-Behörde geht davon aus, dass sich diese bis 2040 auf 88% erhöhen wird. Nach Angaben des World Population Review existieren 2019 bereits 14 US-Städte, in denen mehr als eine Millionen Menschen leben. 2015 waren es noch zehn. Zu den 20 Metropolregionen mit dem weltweit größten Konsumzuwachs zwischen 2015 und 2030 gehören sieben Städte aus den USA und sechs aus China. Bis 2030 werden zehn der global 20 wichtigsten „Konsummetropolen“ in den USA liegen. Das Beratungsunternehmen McKinsey erwartet zudem, dass die Zahl der Nordamerikaner im erwerbsfähigen Alter um 7% auf 191 Millionen im Jahr 2030 ansteigen wird. Das Wachstum des Pro-Kopf-Verbrauchs dieser Gruppe wird im selben Zeitraum auf 24% geschätzt. Gerade diese Bevölkerungsgruppe wird nach Angaben der US-Beratung bis 2030 vor allem in großen und schnell wachsenden US-Städten leben und einkaufen.

 

Entwicklung 1970-2030: Sources of Consumption Growth

Wachstumsprognose 2015-2040: Urbanisierungsraten (weltweit)


 

2. E-Commerce

 

Weltweit wurden im Jahr 2015 rund 1,382 Billionen USD mit dem Onlinehandel umgesetzt. Nach Prognosen des Marktforschungsunternehmen BMI werden sich die global umgesetzten Erlöse im E-Commerce bis 2021 auf 2,908 Bio. USD vergrößern. Dies entspricht einer durchschnittlich jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 13,2%.Im Großteil der globalen Märkte entwickelt sich der Umsatz im Online-Shopping deutlich schneller als der Umsatz im Einzelhandel insgesamt.

 

Wachstumsprognose 2014-2021: Umsatz E-Commerce nach Region (USDmn); CAGR 

Der US-Onlinehandel

 

Der Spezialist für Verpackungsmittel Smithers Pira identifizierte in einer Studie (The Future of Packaging) vier Schlüsselfaktoren, die eine wesentliche Rolle für das Wachstum der globalen Verpackungsindustrie im Zeitraum zwischen 2018 und 2028 spielen werden. Einer dieser Faktoren ist der Siegeszug des Online Shoppings. Die Volksrepublik China und die USA sind und bleiben die weltweit wichtigsten Märkte für den Onlinehandel. Nach Berechnung und Prognosen des BMI wird sich der US-amerikanische E-Commerce-Markt von 329 Mrd. USD Umsatz im Jahr 2015 um durchschnittlich 7,5% pro Jahr auf 508 Mrd. USD Umsatz in 2021 vergrößern. Der weltweite Marktanteil der USA wird sich in diesem Zeitraum von 24 auf 17% verkleinern. Der wesentliche Grund für das, im weltweiten Vergleich schwächere Wachstum des E-Commerce Marktes in den USA, liegt vor allem in dessen bereits fortgeschrittener Sättigung.

 

Mit globalen Onlinehandelsunternehmen wie bspw. Ebay und dem heutigen Schwergewicht Amazon sowie der Transaktionsplattform PayPal verfügten die US-Amerikaner bereits deutlich früher als andere Industrienationen und Schwellenländer über ein umfassendes Service-Angebot im Onlinehandel. Hinzu kommen die im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich verbreiteten Penetrationsraten beim Zugang zu WLAN sowie dem Gebrauch von Smartphones. Das Potenzial für langfristig hohes Wachstum in den USA ist dennoch weiterhin gegeben. Nach Angaben der Bundesbehörde United States Census Bureau machten die Online-Verkäufe im Jahr 2015 nur 11% der gesamten Einzelhandelsumsätze aus.

 

Sinkende Umsatzeinnahmen aus dem traditionellen Geschäft vergrößern den Druck auf die Einzelhändler. Als Reaktion auf die Bedrohung führen viele Händler Online-Märkte ein. Zwar generieren diese noch in etwa nur 10-15% der Umsätze, die Wachstumsraten liegen jedoch um ein Vielfaches höher als die im stationären Handel, so das U.S. Census Bureau. Von dieser Entwicklung konnte und wird vor allem weiterhin die Verpackungsbranche durch steigende Versandvolumina profitieren. Der zunehmend schnelle Versand und Transport eines Produkts erfordert eine höhere Qualität und Vielfalt an Verpackungsmitteln sowie zusätzlichen Schutz zur Vermeidung von Schäden. Onlineversandhändler benötigen somit Produkte, die sich durch eine sichere Transport- und Lagerfähigkeit auszeichnen. Nach Angaben des Research Spezialisten Technavio werden rund 90% der versandten Ware durch Pakete aus Wellpappe transportiert.

 

Umsatzerlöse im weltweiten E-Commerce Markt nach Region (2021e)

Entwicklung und Prognose 2015-2021: E-Commerce in Nordamerika nach Region (USDbn); CAGR 


Entwicklung 2013-2018: PCA - Produktion von Wellpappe und Papier (000tons), CAGR

E-Commerce & Konzernstrategie

 

Der Siegeszug des E-Commerce hat die Produzenten von Kartonagen und Wellpappe beflügelt. Nach Angaben der Wirtschaftswoche kommen inzwischen etwa 12% der gesamten Nachfrage vom Onlinehandel. Entsprechend haben viele Produzenten den Bau neuer Kapazitäten angekündigt. Um etwa acht Prozent könnten diese binnen drei Jahren ausgeweitet werden, sollten alle Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden.

 

Bei der Strategie zur Umsatzsteigerung konzentriert sich auch der Vorstand von PCA auf ein profitabel organisches Wachstum im Kartonvolumen sowie auf die Übernahme passender Hersteller von Wellpappe und Kartonverpackungen. PCA verfügte 2017 über insgesamt drei Papierherstellungsanlagen mit einer jährlichen Produktionskapazität von 949.000 Tonnen Papier.


 

In den Geschäftsjahren 2017 und 2018 beschloss das Management, die Produktion von Papier in einer der Anlagen in Wallula, Washington vollständig zu beenden, um diese für die Produktion von Wellpappe zu modernisieren. Die neue Anlage hat eine jährliche Produktionskapazität von 400.000 Tonnen. Der Umbau kostete insgesamt 43 Mio. USD. Im ersten Quartal 2019 schloss das Unternehmen zudem die Akquisition des Produzenten für Wellpappverpackungen Englander dZignPak für 65,3 Mio. USD ab. 2017 erwarb der Vorstand bereits den Kartonhersteller Sacramento Container für 265 Mio. USD.

 

Im Papiersegment, das mittlerweile in Boise Paper unbenannt wurde, verkündete das Management im ersten Earnings Call 2019 den Ausstieg aus dem Geschäft von Trennfolien für Etiketten. Das Unternehmen plant im Gegenzug weitere Investitionen für den Umbau von Anlagen hin zur Produktion von  Wellpappe. Die Gründe für den Fokus auf das Verpackungssegment des Konzerns liegen zum Einen in den deutlich niedrigeren Ertragsmargen in der Papierindustrie. Die fortschreitende Digitalisierung setzt die Nachfrage nach Papier zunehmend unter Druck. Des Weiteren gilt der Onlinehandel als langfristig treibender Wachstumsmotor in der Verpackungsindustrie.

 

Zu erkennen ist diese Entwicklung auch in den Produktionsmengen von PCA. Seit der Übernahme des Papier- und Verpackungsspezialisten Boise konnte die jährliche Produktionsmenge von Wellpappe um durchschnittlich 4,3% pro Jahr zulegen. Im selben Zeitraum verlor die Herstellung von Papier um durchschnittlich 2,9% an Volumen. 

 

3. Nachhaltigkeit

 

Im Jahr 2018 spielte die Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie eine große Rolle. Weltweit nahmen die Diskussionen zu dieser Thematik zu. Dabei lag der Fokus vor allem auf dem Material Plastik. Nach Angaben des WWF werden weltweit 72% der gebrauchten Plastikverpackungen nicht wiederverwertet. 40% davon werden in Deponien abgelagert, und 32% verlassen das System – sie gelangen also unkontrolliert in die Umwelt wie z. B. in die Meere. 2017 wurden 348 Mio. Tonnen an Plastik hergestellt. 36% der Plastikproduktion wird für Verpackungen verwendet. In den nächsten 20 Jahren soll sich die Menge des produzierten Plastiks verdoppeln.

 

Diese Entwicklung führte durch die Berichterstattung der Medien zu einer zunehmend starken Stimmung gegen Plastikverpackungen in der Bevölkerung vieler Nationen. Die Endverbraucher fordern von den Großkonzernen ein höheres Umweltbewusstsein und schnelle Maßnahmen. Diese richten sich auch auf die Verpackungshersteller. Deren Aufgabe wird darin bestehen, die Verbraucher von den Umweltvorteilen ihrer Verpackungsprodukte zu überzeugen. 

Wachstumsprognose 2015-2021: Weltweiter Umsatz von "Green Packaging" Produkten (USDbn)


Nach Angaben der Branchenzeitschrift Packaging Strategies werden Im Bereich der Nachhaltigkeit zunehmend Kartonverpackungsprodukte wie Wellpapp- und Faltschachteln als die umweltfreundlichste Alternative angesehen. Kartonverpackungen werden im Gegensatz zu Kunststoffprodukten aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt, können wiederverwertet werden und stellen die beste Alternative für den umweltbewussten Verbraucher dar, so das Magazin.

 

Laut einem Bericht von Allied Market Research erwirtschaftete der globale Markt für nachhaltige Verpackungen im Jahr 2015 einen Gesamtumsatz in Höhe von 132 Mrd. USD. Bis 2022 soll dieser um durchschnittlich 5,4% pro Jahr auf 207 Mrd. USD wachsen. Mit 60% machen vor allem die Bereiche Lebensmittel und Getränke den wesentlichen Teil der Nachfrage aus. Ein aktueller Bericht von Zion Market Research Global beziffert den Umsatz der Industrie für nachhaltige Verpackungen 2015 auf 161 Mrd. USD. Dort prognostiziert man bis 2021 eine jährlich durchschnittliche Wachstumsrate von 7% auf insgesamt 242 Mrd. USD.

 

Führende Einzelhändler wie Target und Walmart haben sich bereits strenge Ziele für die Verwendung nachhaltiger Verpackungen gesetzt. Elf globale Unternehmen haben 2018 auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos angekündigt, alle verwendeten Verpackungen bis zum Jahr 2025 wiederverwenden, recyceln oder kompostieren zu wollen. Zu den Unternehmen gehören Amcor, Ecover, Evian, L’Oréal, Mars, Marks & Spencer, PepsiCo, The Coca-Cola Company, Unilever, Walmart, und Werner & Mertz. Darüber hinaus hat sich auch die Fast-Food-Kette McDonald‘s dazu verpflichtet, bis 2025, 100% der Verpackungen ihrer Kunden weltweit recyceln zu wollen.

 

4. Markenidentität

 

Die Geschwindigkeit der Globalisierung hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm beschleunigt. Der Wettbewerb um die weltweite Präsenz und Bekanntheit nimmt zwischen Unternehmen und deren Marken stätig zu. Das Ziel einer Firma liegt mittlerweile vor allem in dem Aufbau einer globalen Markenpräsenz und -identität. Unternehmen versuchen, ihre Produkte, durch besondere Merkmale, aus der Masse hervorzuheben. Hierfür spielt neben dem Produkt selbst noch die Verpackung an sich eine wichtige Rolle. Dem Technologieunternehmen Apple gelang es bspw. sehr erfolgreich, sich durch schlicht gestaltete sowie qualitativ hochwertig verarbeitete Verpackungen von Wettbewerbern wie Samsung und Microsoft abzugrenzen. Apple hat es geschafft, dass sich die Qualität der Produkte in deren Verpackung widerspiegelt. Egal ob Lebensmittel-, Elektro- oder die Kosmetikindustrie, die Verpackung dient einem jeden Unternehmen als wichtiges Instrument für den Aufbau einer Markenidentität.

 

Der technologische Fortschritt in der Herstellung und der Druckerei ermöglicht es den Unternehmen, ihre Interaktionen mit den Verbrauchern mittels kundenspezifisch angepasster Verpackung zu verbessern und folglich deren Loyalität zu erhöhen. Branchenführer sehen Verpackungen als wichtige Komponente bei der Schaffung eines unvergesslichen Einkaufserlebnisses. Dieses wird als Folge bspw. oft in den sozialen Medien geteilt und verbreitet. Im Internet treffen sog. „Unboxing“-Videos auf eine hohe Resonanz. In einer Studie aus dem Jahr 2017 (State of the Industry Report) versuchte die Flexible Packaging Association (FPA) herauszufinden, welchen Einfluss Verpackungen von Marken auf den Endverbraucher haben. 81% der befragten Kunden gaben darin an, dass sie, neue und wechselnde Verpackungen, bei der Wahrnehmung einer Marke beeinflussen. Bei 39% der Teilnehmer spielt die Verpackung bei der Kaufentscheidung an sich eine  wichtige Rolle. 80% der befragten Unternehmen konnten zudem beobachten, dass die Verpackung der Produkte einen wesentlichen Einfluss auf die Identität der Marke hat. Mit qualitativ hochwertiger Verpackung assoziieren Kunden eine hohe Qualität des darin enthaltenen Produktes.

 

PCA ist im Bereich der Premiumverpackungen stark vertreten, so Meryl Witmer, Anlagestrategin bei Eagle Capital Partners. Der Verpackungshersteller beschäftigt eine Vielzahl von Produktentwicklern und Grafikdesignern in elf Technik- und Designzentren in den USA. 

 

1. Rohstoffmarkt

 

Verpackungsunternehmen beschäftigen sich mit der Umwandlung von Rohstoffen wie Polymer, Karton oder Papier in Konsumgüter- und Industrieverpackungen. Für die Fertigung von Verpackungsprodukten aus Pappkarton benötigt es vor allem Holzfasern. Die Produktionskosten in der Verpackungsindustrie hängen somit stark von deren Preisentwicklung auf dem Rohstoffmarkt ab. Dies versetzt die Hersteller in eine potenziell anfällige Position in der Wertschöpfungskette. Auf der Angebotsseite stehen in der Regel global operierende Rohstoffkonzerne mit der Möglichkeit, höhere Rohstoffpreise am Markt durchzusetzen.

 

Die Rohstoffkosten machen nach Angaben von PCA den größten Teil der Produktionskosten in der Verpackungsbranche aus. Steigende Rohstoffkosten drücken somit die Margen der Hersteller. Die Beschaffung weltweit gehandelter Rohstoffe stellt selbst erfahrene Experten vor eine Herausforderung. Die Rohstoffpreise werden von den globalen Energiepreisen sowie Versorgungskapazitäten bestimmt.

Entwicklung 2000-2018: Preis für Holzfasern (USD/odmt)


Perioden des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage haben in der bisherigen Entwicklung zu einer erheblichen Preisvolatilität für Holzfasern geführt. Aktuell liegen die Preise auf dem Niveau des Jahres 2006.Die Aufrechterhaltung zwischen Versorgungssicherheit und Preisvolatilität sollte eine zentrale Rolle bei der operativen Führung eines Verpackungsunternehmens spielen. Für das Aushandeln von Verträgen sollte sich der Vorstand umfassende Informationen über seine jeweiligen Lieferanten verschaffen. Gute Vertragskonditionen können sich in dieser Branche zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil entwickeln. Des Weiteren sollte das Management Notfallpläne zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit entwickeln, falls es auf der Angebotsseite zu Engpässen kommen sollte.

 

2. Überkapazitäten 

 

Eine wachsende urbane Gesellschaft, der Siegeszug des E-Commerce und die Umweltvorteile von Pappkarton als Verpackungsprodukt haben die Produzenten von Kartonagen und Wellpappe beflügelt. Um etwa 8% könnte die Produktionskapazität der Industrie binnen drei Jahren ausgeweitet werden, sollten alle Vorhaben tatsächlich realisiert werden, so Meryl Witmer von Eagle Capital Partners. Dies schürte bei Anlegern die Angst vor Überkapazitäten. 2018 gerieten daher einige Aktien der Verpackungsindustrie unter Druck. Die Aktie der Packaging Corporation of America etwa, verlor im vergangenen Jahr rund 30 Prozent an Wert. Die Wall Street blickt mit Sorge auf diese Entwicklung. Sobald die Kapazität die Nachfrage übertrifft, leidet die Preisgestaltung. In einem Geschäft mit hohen Fixkosten können kleine Umsatzrückgänge zu großen Gewinnverlusten führen.

 

Pläne zur Erweiterung der Industrie hin zur Produktion von Wellpappe haben eine lange Vorlaufzeit. Es benötigt mindestens 18-20 Monate, bis neue Anlagen von der Planung bis zur Eröffnung mit der Produktion beginnen, so Michael Rivers, Analyst bei Athena Capital. Eine genaue Prognose der Auswirkungen der aktuellen Kapazitätserweiterungen ist daher recht schwer zu treffen. 2017 und 2018 beschloss auch der Vorstand von PCA, die Produktion von Papier in einer Anlage in Wallula, Washington vollständig zu beenden und die Anlage für die Produktion von Wellpappe zu modernisieren. Bei der aktuell steigenden Volumennachfrage und dem Branchenwachstum sollte der Kapazitätsausbau jedoch ausgeglichen werden können. Solange die Fertigungskapazität nicht über die Nachfrage hinausgeht, verfügen die Hersteller weiterhin über Preismacht gegenüber den Kunden. Mittelfristig wird es laut Michael Rivers zu keinen Überkapazitäten am Markt kommen.

 

Branchenstrukturanalyse (Porter)

 

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