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Der Börse einen Schritt voraus - Peter Lynch

Peter Lynch zählte in den 80er Jahren als Manager des damals größten Fond der USA Fidelity Magellan Fund zu den erfolgreichsten Fondsmanagern der Welt. Über zehn Jahre hinweg gelang es Lynch, positive Ergebnisse zu erzielen und darüber hinaus ohne Unterbrechung den Markt zu schlagen. Eine Investition von 10.000 USD in den Magellan Fonds im Jahr 1977 wäre 1990 knapp 235.000 USD wert gewesen. Peter Lynch ist fest davon überzeugt, dass für einen Privatanleger entgegen der Meinung vieler Investoren möglich ist, den Gesamtmarkt übertreffen zu können. Gerade die Fähigkeit, wie ein Amateur denken zu können, half dem Manager dabei, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. In diesem Buch erläutert Peter Lynch auf eine einfache Art und Weise mit Hilfe vieler realer Beispiele, wie es ihm gelang, interessante Aktien zu identifizieren und hohe Kursgewinne einzufahren.

 

Zu Beginn geht Peter Lynch auf die Vorteile von Privatanlegern gegenüber professionellen Managern ein. Hierbei spricht der Fondsmanager aus eigener Erfahrung. Für Lynch unterliegen private Anleger keinen internen Richtlinien oder Kontrollmaßnahmen einer großen Investmentgesellschaft. Somit besteht für diesen die Möglichkeit, in jede Aktie zu investieren, ohne dies gegenüber einer Risikoabteilung oder den Kunden begründen zu müssen. Für einen Privatanleger besteht zudem keine Erklärungsnot, sollte sich eine Aktie kurzfristig negativ entwickeln. Ihm ist es somit möglich, an einer Idee festzuhalten, die auf lange Sicht hin Erfolg haben kann. Dies kann vor allem bei Turnaround-Kandidaten vorteilhaft sein. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Identifikation interessanter Aktien liegt in der Größe der Unternehmen. Fondsgesellschaften vernachlässigen aufgrund ihrer hohen Investitionsvolumina in der Regel sehr kleine Unternehmen. Durch Richtlinien ist es diesen oftmals nicht erlaubt, Anteile von mehr als 10% an einer Firma zu besitzen. Somit sind große Gesellschaften nicht in der Lage, sich an sogenannten Small Caps zu beteiligen. Dadurch steigt für private Investoren die Wahrscheinlichkeit im Auffinden günstiger, jedoch qualitativ hochwertiger Unternehmen, die sich an den Märkten überdurchschnittlich entwickeln können.

 

Für Peter Lynch ist das Investieren in Aktien die beste Möglichkeit, sein Geld langfristig zu vermehren. Doch dabei sollte ein jeder Anleger mit Vorsicht vorgehen. Viele private wie auch professionelle Investoren verhalten sich bei der Kapitalanlage wie beim Roulette spielen im Kasino. Um den Verlust seines Vermögens an der Börse zu vermeiden, sollte sich ein Anleger somit nicht wie ein Spieler verhalten. Peter Lynch empfiehlt daher, unter Anwendung von Fundamentalanalysen in Kombination mit dem Value-Ansatz, in qualitativ hochwertige Unternehmen mit einem relativ attraktiven Marktumfeld sowie preiswertem Wertpapierkurs zu investieren und somit langfristig Überrenditen zu erzielen. Doch bevor sich eine interessierte Person mit dieser Art von Anlage beschäftigt, sollte er zwei wichtige Voraussetzungen erfüllen. Zum einen sollte man an der Börse nur mit frei verfügbarem Kapital investieren. Des Weiteren spielt die Charakterstärke des Anlegers selbst eine entscheidende Rolle. Nach Peter Lynch benötigt ein erfolgreicher Investor die Eigenschaften Geduld, Selbstvertrauen, gesunden Menschenverstand, Objektivität, Ausdauer, Bescheidenheit, Flexibilität, Engagement und die Fähigkeit Fehler einzugestehen sowie panischen Phasen zu ignorieren.

 

In seinem Buch geht der Autor regelmäßig darauf ein, wie oft professionelle Anleger bei der Aufstellung von Prognosen zu Unternehmen oder den Märkten falsch liegen. Für Peter Lynch existiert keine Methode, zukünftige Entwicklungen an den Börsen vorherzusagen. Lynch legt somit keinen Wert auf diesen Bereich der Analyse. In diesem Zusammenhang stellt der Autor jedoch noch die sog. „Cocktail-Theorie“ vor. Demnach gelten die Märkte als überbewertet, wenn auf einer Party jeder Gast von den neuesten Aktien als einmalige Chance spricht. Wenn sich diese jedoch kaum damit beschäftigen, ist es Zeit nach interessanten Unternehmen mit günstigen Preisen Ausschau zu halten. In Deutschland lässt sich diese Theorie gut auf die Klatsch-Presse wie bspw. die Bild-Zeitung anwenden. Sobald die Bild von interessanten Empfehlungen berichtet, steht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Kurskorrektur bevor. Für Lynch solle sich ein Anleger somit weniger auf die Frage fokussieren, wo der Dow Jones in einem Jahr stehen wird. Vielmehr sollte er sich mit der Auswahl qualitativ hochwertiger Unternehmen zu einem attraktiven Preis beschäftigen und diese langfristig zur Erzielung überdurchschnittlicher Renditen halten.

 

Zum Abschluss des ersten Teils fasst der Autor und Fondsmanager Peter Lynch noch einmal die wichtigsten Punkte zusammen, auf die ein professioneller sowie privater Anleger achten sollte.

 

- Überschätzen Sie nie die Fähigkeiten der professionellen Investoren

- Ziehen Sie Vorteile aus dem, was Sie bereits persönlich kennen

- Suchen Sie nach Gelegenheiten, die sich außerhalb des Beobachtungsradius professioneller Anleger befinden

- Kaufen Sie sich zunächst ein Haus, bevor Sie sich mit der Aktienanlage beschäftigen

- Betrachten Sie eine Aktie als Unternehmensbeteiligung 

- Ignorieren Sie kurzfristige Kursschwankungen

- Aktien besitzen das Potenzial großer Kursgewinne und -Verluste

- Wirtschaftsprognosen sollten ignoriert werden

- Langfristig rentieret sich die Aktienanlage mehr als die Anlage in Anleihen

- Kontrollieren Sie die Entwicklung ihrer investierten Unternehmen kontinuierlich

- Verfügbarkeit von ausreichend Kapital und Charakterstärke ist notwendig

- Private Anleger stoßen während des Alltags häufiger auf interessante Gelegenheiten

- Hohe Bedeutung von Informationsvorsprüngen

 

Den zweiten Teil des Buches widmet Peter Lynch der Identifikation und Auswahl interessanter Aktien. Dabei geht er zunächst auf die hohe Bedeutung des Kompetenzradius eines Anlegers ein. Bevor sich ein Investor auf die Suche nach Unternehmen begibt, sollte er sich zuvor bewusst machen, wo seine persönlichen Grenzen liegen. Denn für eine so genau wie möglich durchgeführte Bestimmung des intrinsischen Unternehmenswertes gehört das Verstehen des Geschäftsmodells zu einer der zentralen Voraussetzungen. Die Erstellung eines eigenen Kompetenz-Bereichs spielt somit eine wichtige Rolle. Nach Peter Lynch ist eine Investition in ein Unternehmen ohne entsprechende Nachforschung und Analyse wie das Spielen von Karten ohne zu weissen, welche Karten man auf der Hand hat. Um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu bestimmen, muss sich ein Investor mit Hilfe einer umfassenden Recherche über jeden relevanten Bereich eines Unternehmens erkundigen und diesen in seine Bewertung miteinbeziehen. Denn wie schon Warren Buffett einst sagte, liegt eine Investition erst dann vor, wenn sie nach umfassender und gründlicher Analyse die Sicherheit des eingesetzten Kapitals und eine angemessene Rendite verspricht. Die Grundlage hierfür liegt in der Beschaffung von Informationen zu einem Unternehmen und der jeweiligen Industrie.

 

Peter Lynch kategorisiert Aktien in sechs unterschiedliche Arten ein. Zum einen existieren wachstumsschwache Unternehmen. Hierzu zählen bspw. Versorgungsunternehmen. Diese großen und meist älteren Unternehmen erzielen in der Regel Wachstumsraten leicht über dem des Bruttosozialproduktes des jeweiligen Landes. Langfristig gesehen entwickelt sich nach Lynch jedes Unternehmen zu einem wachstumsschwachen Titel. Denn erreicht ein Konzern erst einmal eine gewisse Größe, wird es für den Vorstand sehr schwierig, Maßnahmen zu ergreifen, die den Gewinn wieder stark ansteigen lassen. Zu der zweiten Kategorie gehören stetig wachsende Unternehmen wie bspw. Coca Cola. Besteht die Möglichkeit des Erwerbs einer solchen Aktie zu einem attraktiven Preis, kann sich daraus ein ansehnlicher Gewinn entwickeln. Die wachstumsstarken Unternehmen werden in der dritten Kategorie gelistet. Hierzu zählen meist junge, kleinere Unternehmen, die in einer Nische operieren und überdurchschnittliche Wachstumsraten generieren. Hierunter lassen sich Aktien mit dem Potenzial finden, hohe Kursgewinne in kurzer Zeit zu erzielen. Diese Art Aktien sind jedoch auch mit einem höheren Risiko verbunden. Aufgrund der meist finanziell schwach aufgestellten Bilanz können kritische Marktphasen zu einem ernsten Problem für ein Wachstumswert werden. Zu den weiteren drei Kategorien nennt Lynch die Zykliker, Turnaround-Kandidaten und die Substanzwerte.

 

In Kapitel 8 listet Peter Lynch insgesamt 13 Merkmale auf, die ein interessantes Unternehmen seiner Meinung nach besitzen sollte.

 

1. Langweiliger Unternehmensname

2. Langweiliges Produkt

3. „Unangehnemes“, aber notwendiges Produkt

4. Aus Mutterkonzern ausgegliedertes Unternehmen

5. Unternehmen außerhalb des „Scheinwerferlichts“ der Börse

6. Niedrige Bewertung aufgrund unangemessener Gerüchte

7. „Depremierendes“ Geschäftsmodell (Bestattungsfirmen)

8. Unterbewertung aufgrund stagnierender Branche

9. Nischenanbieter

10. Stetige Notwendigkeit des Produktes

11. Profiteure neuer Technologien

12. Insiderkäufe

13. Aktien Rückkaufprogramm

 

Des Weiteren führt der Fondsmanager noch fünf Arten von Aktien auf, die ein Anleger ignorieren sollte

 

1. Vermeintliche Nachfolger bereits erfolgreicher Unternehmen

2. Übertriebene Strategie des Vorstands der Ver-Diversifizierung

3. Geheimtipps

4. Zulieferfirmen

5. Aufregend klingende Unternehmensnamen

 

In Kapitel 10 befasst sich Peter Lynch mit der Bestimmung des Wertes eines Unternehmens. Denn bei einer Aktie handelt es sich wie schon früher im Buch erwähnt nicht um ein Lotterielos, sondern ein Eigentumsrecht an einer Unternehmung. Die Unternehmensbewertung sollte somit vor jedem Kauf umfassend durchgeführt werden. Der Wert einer Firma lässt sich demnach durch die erwirtschafteten Gewinne oder durch die Substanz, also die Vermögenswerte einer Firma berechnen. Vor allem die Gewinne spielen für Lynch die wichtigste Rolle bei der Analyse. Denn der Kurs einer Aktie wird langfristig nur dann steigen, wenn das jeweilige Unternehmen stetige Wachstumsraten beim Gewinn vorweisen kann. Peter Lynch ist jedoch recht skeptisch gegenüber der Prognose zukünftiger Unternehmensgewinne eingestellt. Der Großteil professioneller Analysten liegt hierbei falsch. Der Autor konzentriert sich vorzugsweise auf die Analyse und Kontrolle des Erfolgs von Maßnahmen eines Unternehmens zur Steigerung der Gewinne. Diesbezüglich existieren fünf unterschiedliche Möglichkeiten:

 

1. Kostenreduktion

2. Preiserhöhung

3. Expansion

4. Absatzsteigerung in bestehendem Markt

5. Neustrukturierung oder Verkauf einer Verlustsparte

 

Zur Bestimmung der aktuellen Marktbewertung eines Unternehmens präferiert Lynch das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Das KGV ist ein nützlicher Maßstab dafür, ob eine Aktie im Verhältnis zu ihrem Ertragspotenzial überbewertet, angemessen bewertet oder unterbewertet ist. Das KGV lässt sich zudem als die Anzahl an Jahren interpretieren, die ein Unternehmen benötigt, um das von einem Anleger investierte Kapital durch die Gewinne zu verdienen. Das KGV sollte jedoch nur zwischen Unternehmen derselben Branche verglichen werden.

 

Peter Lynch teilt der Informationsbeschaffung bei der Unternehmensanalyse eine große Bedeutung zu. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die Publikationen eines Unternehmens selbst und meidet die Gerüchteküche in den Medien. Ein jedes börsennotiertes Unternehmen veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Unternehmensberichte, Präsentationen und Mitteilungen über die Entwicklung des operativen Geschäfts. Durch die Betrachtung der Zahlen lässt sich die operative, finanzielle und liquide Stärke eines Unternehmens bestimmen, ohne durch die Meinung von Analysten oder Journalisten beeinflusst zu werden. Bei der Bilanzanalyse achtet Lynch zunächst auf eine hohe liquide Summe, die dem Unternehmen für Investitionen zur Verfügung steht. Des Weiteren spielt die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Aktiva und Schulden über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren eine wichtige Rolle. Dem Fondsmanager gefallen zudem Rückkaufprogramme für Aktien zur Erhöhung des Gewinns je Aktie und folglich zur Verringerung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses.

 

In Kapitel 13 geht Peter Lynch auf die für ihn wichtigsten Kennzahlen ein. Zunächst sollte sich ein Anleger mit dem Umsatzanteil einzelner Marken bzw. Produkte eines Unternehmens beschäftigen. Eventuell interessiert sich ein Investor für eine Aktie aufgrund eines Produktes, obwohl dieses jedoch nur einen geringen Teil des Gesamtumsatzes ausmacht. Des Weiteren spielt wie bereits erläutert das KGV zu Bestimmung der Marktbewertung einer Aktie eine wichtige Rolle. Nach Lynch besitzt ein attraktives Unternehmen Wachstumsraten beim Gewinn, die höher als das KGV ausfallen. Die Liquidität ist zudem ein wichtiger Faktor. Hierfür zieht Peter Lynch die langfristigen Verbindlichkeiten von den liquiden Mitteln ab, und erhält so die liquide Situation eines Unternehmens. Die kurzfristigen Vermögenswerte sollten zudem immer die kurzfristigen Schulden überdecken. Des Weiteren sollte sich ein Anleger noch mit der Fähigkeit eines Vorstands auseinandersetzen, wie rentabel und sinnvoll das überschüssige Geld investiert wird. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Verschuldungsgrad. Dieser spielt insbesondere bei Turnaround-Kandidaten eine wichtige Rolle. Diese Art von Unternehmen benötigen ein finanzielles Polster für die Durchführung von Strukturierungsmaßnahmen und das Überleben problematischer Marktphasen. Lynch unterscheidet dabei zwischen zwei Arten von Schulden – den Bankdarlehen und den Kaptalmarktschulden. Bankdarlehen sind dabei äußerst kritisch zu betrachten, da sich diese bei Fälligkeit zu einem ernsten Problem entwickeln können. Bei den Kapitalmarktschulden wie bspw. Anleihen besteht für ein Unternehmen keine Gefahr, so lange die Zinsen ausbezahlt werden. Hinsichtlich Dividenden bevorzugt Lynch nur eine Auszahlung dieser, wenn das Management einer Firma keine gewinnsteigernden Investitionsgelegenheiten identifizieren konnte. Bei der Berücksichtigung des Buchwertes zur Bestimmung der Marktbewertung einer Firma sollte ein Anleger immer den tatsächlichen Wert der Vermögensgegenstände bestimmen. Dabei erweisen sich vor allem Positionen wie Markennamen (Coca Cola) als äußerst vorteilhafte Werte. Des Weiteren können immaterielle Gegenstände wie Patente und Lizenzen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz ausmachen. Lynch bevorzugt des Weiteren den Cashflow eines Konzerns. Aufgrund dessen vermeidet er des Öfteren kapitalintensive Unternehmen. Als weitere wichtige Positionen werden die Vorräte und Pensionsverpflichtungen eines Unternehmens genannt. Als letztes geht Peter Lynch auf die Wachstumsraten ein. Dabei interessiert er sich spezifisch für Unternehmen, die sich in einer Branche befinden, in der Preise kontinuierlich erhöht werden können, ohne Kunden zu verlieren. Um hohe Kursgewinne erzielen zu können, muss das jeweilige Unternehmen konstant steigende Wachstumsraten vorweisen können. Zum Schluss des zweiten Teils fasst der Autor seine Ergebnisse in einer Checkliste für die jeweiligen sechs Aktienkategorien zusammen.

 

In dem dritten und letzten Teil von „Der Börse einen Schritt voraus“ beschreibt und erläutert Peter Lynch seine Gedanken zu den Fragen, wie man ein Depot langfristig gestalten sollte, um Gewinne zu maximieren und Verluste zu minimieren; wann man kaufen und wann verkaufen sollte, was im Falle eines Börsencrashs zu tun ist und welche Fehlinformationen darüber im Umlauf sind, warum Kurse fallen oder steigen. Mit Hilfe einer Vielzahl persönlicher Erfahrungen und Beispiele erläutert Peter Lynch in diesem Buch auf einfache Art und Weise seine Strategie und seine Gedanken zur Identifizierung interessanter Aktien, die sich überdurchschnittlich hohe Kursgewinne erzielen können. Für jeden interessierten Privatanleger und professionellen Investoren bietet dieses Buch eine Fülle von Informationen über die Aktienanlage und Unternehmensbewertung.

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