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Das Tao des Charlie Munger - David Clark

 

Als einer der Autoren der bekannten „Buffettololy-Reihe“ hat sich David Clark nun mit der Nummer Zwei der weltweit erfolgreichsten Holding-Gesellschaft Berkshire Heathaway Charlie Munger beschäftigt. In dem im Jahr 2017 erschienene Buch führt David Clark insgesamt 138 Zitate, Sprüche und Weisheiten des Geschäftspartners von Warren Buffett auf und kommentiert diese kurz mit Hilfe von passenden Informationen, Beispielen und seinen eigenen Gedanken. Während über Warren Buffett und seine Investitionshistorie bereits eine Vielzahl von Büchern geschrieben und veröffentlicht wurden, bleibt der Vizepräsident von Berkshire Hathaway weitestgehend im Hintergrund des Orakels aus Omaha. Charlie Munger und Warren Buffett sind beide inzwischen über 90 Jahre alt und führen trotz dessen eines der wertvollsten Unternehmen der Welt erfolgreich an. Charlie Munger hatte dabei großen Einfluss auf seinen Freund und Geschäftspartner und ist signifikant an dessen Erfolg beteiligt. Durch den Einfluss von Munger änderte Buffett seine Einstellung gegenüber dem Investieren grundlegend. Bevor die Investorenlegende Munger kennen lernen durfte, interessierte sich Buffett aufgrund seines Einflusses durch Benjamin Graham grundsätzlich nur für Unternehmen, die unter ihrem Buchwert gehandelt wurden. Durch Munger erkannte Buffett, dass es sich durchaus lohnen kann, bereit zu sein, einen fairen Preis für ein großartiges Unternehmen zu bezahlen. Ohne diese einfache, jedoch entscheidende Kenntnis hätte Warren Buffett im Laufe der Jahre eine Vielzahl interessanter Möglichkeiten verpasst.

 

Charles Munger ist wie sein Freund Warren Buffett in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska geboren und aufgewachsen. Mit 18 Jahren schloss er sich der US Army an und studierte im Rahmen seines Dienstes an der Caltech Universität Meteorologie. Nach dem zweiten Weltkrieg fing er sein Jura Studium an der Harvard Law School und schloss dieses 1948 mit magna cum laude ab. Während seiner Zeit als erfolgreicher Anwalt interessierte sich Munger schon immer für die Geschäftswelt und die Kapitalanlage. Doch erst im Jahr 1958 sollte er seinen späteren Geschäftspartner Warren Buffett kennen lernen. 1979 übernahm er nach einer Vielzahl erfolgreicher Jahre in der Welt der Kapitalanlage die Position des Vizevorsitzenden von Berkshire Heathaway. Bis 2016 half er dabei, das Unternehmen von einem damaligen Gewinn in Höhe von 148 Mio. USD auf einen Gewinn im Jahr 2016 von 24 Mrd. USD auszubauen. Mittlerweile agiert Munger als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzenden. An ein Aufhören denkt die Nummer Zwei bisher jedoch noch lange nicht.

 

Die Zitate von Charlie Munger zu lesen, bereitet einem viel Freude, denn er gehört zu einem der wenigen Menschen, die zu jedem Thema eine erfahrene Meinung haben und sich nicht fürchten, diese auch direkt zu kommunizieren. In diesem Buch sollte ein interessierter Leser jedoch nicht erwarten, praktische Tipps und Beispiele über die Investitionsstrategie des Börsianers oder von Berkshire Heathaway zu erhalten. Vielmehr helfen die Zitate von Munger und die jeweiligen Kommentare von Clark dabei, eine Grundeinstellung gegenüber der Wirtschaft und Gesellschaft sowie über die Börse, Kapitalanlage und sich selbst zu entwickeln, die einem später weiterhelfen kann, im Beruf und im Leben erfolgreich und glücklich zu sein. Im Folgenden führe ich die für mich interessantesten und hilfreichsten Zitate von Charlie Munger auf.

 

1. Das schnelle Geld:

Um in kürzester Zeit viel Geld zu verdienen, spekulieren viele Anleger auf kurzfristige Kursschwankungen an den Märkten und setzen dabei hohe Schuldenhebel ein. Aufgrund unerwarteter Ereignisse kann sich diese Strategie jedoch zu einem Totalverlust entwickeln. Munger empfiehlt einem Anleger daher, sich auf die langfristigen Wirtschafsdaten eines Unternehmens zu konzentrieren.

 

2. Der Kompetenzradius:

Hierbei spielt Charlie Munger auf einen der wichtigsten Punkte in der Kapitalanlage an. Demnach sollte sich ein Anleger nur an einem Unternehmen oder an einer Idee beteiligen, wenn er in der Lage ist, dieses bzw. diese auch vollständig verstehen zu können. Als Beispiel hierfür wird die Tech-Blase Ende der 90er Jahre aufgeführt. Dabei investierte eine Vielzahl von Börsianer in Technologiewerte, ohne die eigentlichen Geschäftsmodelle der Unternehmen zu verstehen. Nach dem Platzen der Blase verloren viele Anleger große Teile ihres Vermögens.

 

3. Sei kein Idiot:

Die Grundidee der Strategie von Charlie Munger liegt darin, dass der kurzsichtige Markt die Aktie einer Firma manchmal im Verhältnis zum langfristigen Wert dieses unterbewertet. Diese Gelegenheit sollte ein erfahrener Value Investor ergreifen und keine Angst davor habe, in Zeiten fallender Kurse zu investieren.

 

6. Offenbarung:

Bevor Warren Buffett auf seinen Freund Charlie Munger traf, verfolgte er noch ohne Ausnahme die Strategie seines Mentors Benjamin Graham. Buffett investierte ausnahmslos in Unternehmen, deren Preis er als unterbewertet einstufte. Das Problem dabei bestand darin, dass die Aktien verkauft werden mussten, sobald sie ihren inneren Wert erreichten. Durch Munger erkannte Buffett, dass es sich durchaus lohnen kann, bereit zu sein, einen fairen Preis für ein großartiges Unternehmen zu bezahlen. Den Geschäftspartnern wurde klar, dass bei Unternehmen außerordentlich gute ökonomische Faktoren existieren können, die deren Wert im Laufe der Zeit ansteigen lassen. Gute Unternehmen fungieren somit als eine Art Kapitalanleihe mit steigender Verzinsung (Gewinn). Als Beispiel wird hie die Beteiligung von Berkshire Heathaway an Coca Cola genannt.

 

8. Die Füße stillhalten:

Berkshire Heathaway verfolgt seit Jahrzenten erfolgreich die Anlagephilosophie, qualitativ hochwertige Unternehmen mit einem attraktiven Marktumfeld zu einem fairen Preis zu erwerben und diese Investments über einen langen Zeitraum hinweg zu halten. Durch diese Strategie umgeht man kurzfristigen Kursschwankungen und vermeidet zudem die Zahlung von Steuern.

 

12. Diversifizierung:

Charlie Munger ist kein Befürworter der umfassenden Diversifikation eines Portfolios. Nach Charlie Munger werden dadurch die Gewinner im Depot durch die Verlierer ebenso ausgeglichen, wie die Verlierer durch die Gewinner. Ein stark diversifiziertes Depot fungiert somit als eine Art Indexfonds und erwirtschaftet folglich eine dem Markt ähnlich durchschnittliche Rendite. Warren Buffett und Charlie Munger sind der Meinung, dass es jedoch reicht, wenige hochwertige Unternehmen mit langfristigen Perspektiven zu einem günstigen Preis zu erwerben und diese langfristig zu halten.

 

25. Warten:

Charlie Munger betont immer wieder die Bedeutung der Geduld bei der Kapitalanlage. Ein erfolgreicher Investor muss dazu in der Lage sein, auf eine gute Gelegenheit teils Jahre warten zu können, ohne dabei sinnlos in schlechte Unternehmen aufgrund von mangelnder Geduld zu investieren. Sobald eine Aktie erworben wurde, muss ein Anleger zudem darauf warten können, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen eines Unternehmens zu Wachstum führen und den Aktienkurs nach oben treiben werden.

 

31. Ein Unternehmen besitzen:

Für Benjamin Graham bedeutete der Kauf einer Aktie im Gegensatz zur damaligen Denkweise der Marktteilnehmer schon immer der Erwerb eines realen Unternehmensanteils. Mit Hilfe einer fundamentalen Analyse versucht Munger herauszufinden, ob der Anteil an einem Unternehmen aktuell günstig erworben werden kann. Dabei spielt vor allem die Wettbewerbsfähigkeit eine wichtige Rolle. Diese spiegelt das Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen einer Firma wider und hilft dem Investor dabei zu überlegen, ob er eine Aktie über Jahrzehnte hinweg ohne Sorgen halten kann. Hierfür werden in dem Buch folgende Unternehmen als diesbezüglich passende Beispiele aufgeführt: Coca Cola, Wells Fargo, American Express, Swiss Re, Wrigleys Gums und Kraft Foods.

 

38. Das Schwierigste daran ist das Warten:

Eine der erfolgreichsten Anlagestrategien liegt darin, antizyklisch zu investieren. Dabei sollte ein Investor jedoch über Charakterstärke verfügen, da er gegen die allgemeine Haltung an den Märkten setzt. Charlie ist nie auf der Suche nach einer Investition. Vielmehr wartet er geduldig auf eine richtige langfristige Idee, die zu einem fairen Preis zu bekommen ist. Dem Großteil der Wall Street gelingt dies jedoch nicht und ein Großteil investiert lieber in eine schlechtere Idee, als auf eine bessere Gelegenheit zu warten.

 

70. Buy and Hold:

Sobald Charlie Munger ein qualitativ ausgezeichnetes Unternehmen zu einem fairen Preis identifiziert und erwirbt, hält er über Jahre hinweg daran fest und sammelt die akkumulierten Gewinne des Unternehmens ein. Dies steigert den intrinsischen Wert und lässt den Aktienkurs im Laufe der Zeit nach oben treiben.

 

76. See’s Candies:

Durch die Investition in den Hersteller für Süßigkeiten See’s Candies entdeckten die beiden Investoren erstmals die Macht von Markenprodukten. Es existieren Unternehmen mit Produkten, die ihre Preise für diese erhöhen können, ohne dabei an Nachfrage zu verlieren. Diese wurden von Munger und Buffett als sog. Verbrauchermonopole benannt. Markenprodukte sind so in den Köpfen der Verbraucher verankert, dass diese gerne dazu bereit sind, deutlich höhere Preise zu bezahlen, anstatt zur Konkurrenz zu gehen. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist Coca Cola. Das Erfrischungsgetränk ist weltweit bekannt und dem Unternehmen gelingt es kontinuierlich, die Preise Jahr für Jahr zu erhöhen, ohne einen Rückgang in der Nachfrage zu verzeichnen. Es ist somit sehr wichtig, dass ein Unternehmen über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verfügt und somit in der Lage ist, die Preise ohne Risiken erhöhen zu können. Dadurch besteht die Möglichkeit, Ertragsmargen zu verbessern und einen hohen Cashflow zu generieren.

 

78. Baissen:

Charlie Munger bevorzugt Unternehmen mit sehr guten ökonomischen Gegebenheiten auch aufgrund dessen, weil sich diese nach einem Börsencrash oder einer starken Marktkorrektur in der Regel deutlich schneller erholen als qualitativ schlechte Unternehmen ohne dauerhaften Wettbewerbsvorteil. 

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