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Kunst, über Geld nachzudenken - Andre Kostolany

„Die Kunst, über Geld nachzudenken“ ist das letzte Werk des weltweit bekannten Börsianers Andre Kostolany. Kostolany war ein Spekulant, Autor und Lehrmeister für ein Millionenpublikum in den unterschiedlichsten Regionen der Welt. Seine ersten Erfahrungen an der Börse machte der Autor an der Börse in Paris, nachdem er von seinem Vater in jungen Jahren für eine Ausbildung bei einem Freund seines Vaters dorthin geschickt wurde. In seiner ersten Lebenshälfte handelte Kostolany mit allem, was an den Börsen der damaligen Welt angeboten wurde. Gegen Ende seines Schaffens konzentrierte sich der Investor auf Wertpapiere und verfolgte eine langfristigere Strategie. Kostolany war vor allem durch seine direkte, geistreiche und humorvolle Art und Weise, seine Erfahrungen zu lehren, bekannt. Andre Kostolany verstarb am 14. September 1991. Nur wenige Monate zuvor vervollständigte er sein letztes Buch.

 

Zu Beginn des Buches beschreibt und erläutert Kostolany seine Gedanken zu der Thematik Geld. Darin betont der Autor die Bedeutung des richtigen Verhältnisses zu Geld. Hierzu stellt sich Kostolany bspw. die Frage, ab wann eine Person als Millionär bezeichnet werden kann bzw. sollte. Für den Autor selbst bedeutet dies, finanziell unabhängig zu sein und das richtige Maß zwischen Sparen und Ausgeben zu finden, um ein glückliches Leben zu führen. Kostolany selbst benötigte nicht viel Geld für die Gestaltung eines beschwerdefreien Lebens. Ihm reichten gute Restaurants und eine Zigarre bei klassischer Musik. Viel wichtiger für ihn war der Erfolg bei seinen Spekulationsgeschäften und die Anerkennung seiner Leistung. Die Freude an dem Geld selbst motivierte Kostolany nicht wirklich. Bezüglich der Gier nach mehr Geld zitiert der Börsianer einen passenden Spruch. Demnach sei Geld wie Meerwasser. Je mehr eine Person hiervon trinkt, desto durstiger wird sie.  

 

Kostolany selbst bezeichnet sich als Spekulant. Hierunter versteht der Autor einen intellektuellen, mit Überlegung und Geduld handelnden Börsianer, der die Entwicklung der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kontinuierlich verfolgt, richtig prognostiziert und folglich davon profitiert. Kostolany tätigte über 80 Jahre lang spekulative Geschäfte weltweit in allen Bereichen von Aktien und Anleihen bis hin zu Devisen und Rohstoffen. Dabei überlebte der erfahrene Börsianer zwei Weltkriege, politisch angespannte Phasen wie den kalten Krieg sowie den Zusammenbruch ganzer Währungen. Durch eine Vielzahl getätigter Spekulationsgeschäfte in den unterschiedlichsten Phasen erlangte Kostolany seine Fähigkeiten und Erfahrungen, die ihn zu einem weltweit anerkannten Anleger machten. In diesem Buch schrieb Kostolany sein Wissen nieder und erklärt dieses an vielen interessanten Beispielen. Zwar sind diese so in der heutigen Zeit kaum mehr durchzuführen, die Grundlagen seiner Denkweise können einem Investor jedoch noch heute bei der Identifizierung und Durchführung einer Investmentstrategie von Nutzen sein.

 

Im ersten Teil dieses Buches geht Kostolany noch auf den Unterschied zwischen den Spielern und den Anlegern an der Börse ein. Börsenspieler versuchen, kleinste Kursbewegungen an den Märkten für sich zu nutzen. Ihr Anlagehorizont ist sehr kurz und er liegt mittlerweile durch das sog. Daytrading im Minutenbereich. Nach Kostolany kann diese Strategie kurzfristig zu Erfolg führen. Langfristig verliert der Spieler jedoch wie im Kasino am Ende sein Geld, da die Spieler vor allem bei steigenden Märkten gewinnen, sobald es abwärts geht, aber auch schnell und viel wieder verlieren. Der Anleger hingegen ist das Gegenteil des Spielers. Dieser kauft sich Aktien mit der Strategie, diese über Jahre bzw. Jahrzehnte lang zu halten. Kurzfristige Kursschwankungen interessieren ihn dabei nicht. Der Anleger diversifiziert sein Portfolio über alle Branchen und Länder hinweg und setzt dabei auf erstklassige Unternehmen. Im Gegensatz zu den Spielern wird der Anleger langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen. Trotz dessen sind die Spieler für die Funktionsfähigkeit der Börsen notwendig. Denn durch sie verfügen die Kapitalmärkte über eine hohe Liquidität.

 

Für Kostolany spiegeln sich die politischen, gesellschaftlichen und politischen Weltgeschehnisse in der Börse wider. Die Kunst der Spekulation liegt somit in der richtigen Deutung dieser. Wirtschaft und Börse hängen miteinander zusammen. Trotz dessen verlaufen Wirtschaft und Börse nicht immer parallel. Kostolany nennt hierzu ein passendes Beispiel. Ein Mann geht mit seinem Hund spazieren. Während des Weges läuft der Hund oft nach vorne und wieder zurück. Wenn er sieht, dass er zu weit nach vorne gelaufen ist, kommt er zu seinem Herrchen wieder zurück. Bis zum Ziel wiederholt sich dies immer wieder. Am Ende des Spaziergangs kommen jedoch der Mann und sein Hund zur gleichen Zeit am Ziel an. Während der Mann konstant im gleichem Tempo gelaufen ist, rannte der Hund mit Schwankungen hin und her, am Ende jedoch die gleiche Entfernung. In diesem Beispiel stellt der Mann die Wirtschaft und der Hund die Börse dar. Trotz der Unterschiede im Verlauf kommen Wirtschaft und Börse am gleichen Ziel an.

 

Kostolany folgte in seiner Zeit einem grundlegenden Gedanken. Die Wertpapierkurse an der Börse hängen vor allem von Angebot und Nachfrage ab. Andere Faktoren wie steigende Unternehmensgewinne, politische Geschehnisse oder neue Technologien spielen demnach nur eine zweitrangige Bedeutung. Es herrscht am Markt entweder die Tendenz, Wertpapiere zu kaufen, oder sie zu veräußern. Kostolany nennt in diesem Buch jedoch auch wichtige Einflussfaktoren. Zu den langfristigen zählt er den Weltfrieden, den Drang der Menschen nach einem verbesserten Lebensstandard sowie die Geldpolitik der Zentralbanken. Hinsichtlich der mittelfristigen Faktoren zählt für Kostolany vor allem die folgende Gleichung: Die Summe aus Geld und Psychologie bestimmt die Richtung an den Kapitalmärkten. Das Geld stellt dabei den Sauerstoff für die Börsen dar. Die Psychologie bestimmt über Angebot und Nachfrage nach Wertpapieren. Bei negativer Stimmung des Börsenpublikums fehlt es an Nachfrage und die Kurse sinken. Nur wenn beide Faktoren Geld und Psychologie positiv ausfallen, steigen die Kurse an den Märkten an.

 

Ein größerer Teil im letzten Buch von Kostolany handelt von der Aufgabe und den Auswirkungen der Zinspolitik von Notenbanken auf das Kreditwesen, die Wirtschaft und die Kapitalmärkte. In diesem Teil erläutert Kostolany zunächst grundlegende Themen wie die Inflation und Deflation sowie deren Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der Autor erklärt dabei gut verständlich die Theorie, betont jedoch auch, wie sich diese kaum mehr auf die Realität an den Märkten beobachten und anwenden lässt. Kostolany ist zudem der Meinung, dass sich die ersten Schritte einer Zinserhöhung bzw. -Senkung im Wesentlichen erst nach 12 Monaten an den Kapitalmärkten bemerkbar machen. Des Weiteren beeinflusst die Zinspolitik der Notenbanken den Faktor Geld. Die Reduzierung der Leitzinsen führt durch günstige Kredite zu einem höheren Angebot von Geld und folglich zu steigenden Kursen. Steigende Zinsen lassen Kapital von den Märkten hingegen abfließen und folglich sinken die Kurse aufgrund der sinkenden Verfügbarkeit von Geld. Wie bereits genannt, spielte für Kostolany neben der Zinspolitik der Zentralbanken vor allem noch die Psychologie der Marktteilnehmer eine bedeutende Rolle. Dabei unterscheidet der Autor zwischen zweit Typen von Anlegern: Die Hartgesottenen und die Zittrigen. Die Hartgesottenen verfügen demnach über die vier G’s. Das erste G steht für Geld. Ein überlegter Anleger kauft Aktien nie auf Kredit. Denn nur so besitzt man die Möglichkeit, kurzfristige Krisen entspannt auszusitzen. Neben dem Geld spielt der Gedanke eines Investors eine wichtige Rolle. Handle überlegt und halte an deinem Gedanken fest. Zusätzlich sollte ein erfolgreicher Börsianer über Geduld verfügen. Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die wichtigste Fähigkeit an der Börse und der Mangel an ihr der häufigste Fehler. Am Ende benötigt ein jeder Anleger jedoch noch das Quäntchen Glück, damit sich aus der Idee auch Gewinn machen lässt. Aufgrund unvorhersehbare Ereignisse wie Kriege, politische Umstürze und neue Technologien kann sich die gute Idee eines Investors zu einem Totalverlust entwickeln.

 

Für die Identifizierung einer Über- bzw. Unterbewertung an den Märkten entwickelte der Autor das sog. „Ei des Kostolany“. Kostolany unterteilt eine jede Hausse und eine jede Baisse in drei Phasen.

 

         - Phase der Korrektur

         - Phase der Anpassung oder Begleitung

         - Phase der Übertreibung

 

Dieser Verlauf lässt sich noch heute an den Märkten beobachten. In Zeiten fallender Kurse verkaufen die Zittrigen aus Angs ihre Wertpapiere, während sich die Hartgesottenen aufgrund der Verfügbarkeit von Kapital und starken Nerven diese zu einem günstigen Preis erwerben. Denn sie folgen im Gegensatz zu vielen Börsenspielern dem wichtigsten Grundsatz in der Kapitalanlage: Kaufe tief und verkaufe hoch. Im Anschluss daran beschreibt Kostolany die drei Phasen noch anhand von drei historischen Börsenentwicklungen. Hierzu nennt er die Tulpenkatastrophe im 17. Jahrhundert und die große Depression als Folge des Börsencrashs 1929 sowie die Spekulationsblase auf die Geschäfte des John Law. Noch heute verfügt das Ei des Kostolany an Aktualität. Den darin dargestellten Verlauf konnte man auch während der Dotcom-Blase im Jahr 2000 und der Wirtschaftskrise 2008 beobachten.

 

Kostolany präferiert auch aufgrund dieser Ereignisse das antizyklische handeln. Doch um sich gegen die allgemeine Meinung an den weltweiten Märkten zu stellen und seine Idee mit Mut und Geduld durchzuführen, benötigt es an Geld und Nerven. Diese Eigenschaften besitzen nach der Meinung des Autos nur die Hartgesottenen. Dieser Typ an Börsianer verkauft Aktien in Zeiten überbewerteter Märkte. In der Phase der Begleitung hält der Anleger seine Anteile und beobachtet das Geschehen. Nur in Zeiten fallender Kurse sollte ein erfolgreicher Investor die günstigen Kaufgelegenheiten nutzen und in den Markt investieren. Die Kunst eines wahren Spekulanten liegt somit darin, zu identifizieren, in welcher Phase sich die Börse befindet. Um dies zu erlernen benötigt es an Erfahrung, die man sich über die Zeit mittels vieler Fehler aneignen muss. Doch Kostolany nennt in seinem Buch zusätzlich drei Hinweise, auf die es gilt zu achten, um einen über- oder unterbewerteten Markt zu erkennen. Zunächst spielen die Medien eine wichtige Rolle. Auch wenn Kostolany kein Fan von dem täglichen Nachrichtengeschehen war, halfen sie ihm bei der Einschätzung der Preisentwicklung an der Börse. Reagiert der Markt nicht mehr auf negative bzw. positive Nachrichten, so befindet sich dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer bereits überverkauften bzw. unterverkauften Phase. Als zweiten wichtigen Hinweise nennt der Autor die Geldmenge. Steigt oder fällt der Markt mit kleinen Umsätzen, deutet dies auf eine Fortsetzung des jeweiligen Trends hin. Steigt oder fällt dieser hingegen mit konstant steigenden Umsätzen, ist eine Tendenzwende nicht mehr weit entfernt. Zu guter Letzt nennt Kostolany die Stimmung in den Medien und der Börsenteilnehmer als wichtigen Hinweis. Um gegen diese allgemeinen Stimmungen gegenhalten zu können, benötigt ein guter Börsianer Charakterstärke. Ein Investor sollte über Nervenstärkte verfügen, um an der eigenen Idee festzuhalten. Kostolany nennt hierfür den Tipp, Schlaftabletten nach dem Kauf einer Investition einzunehmen und ein paar Jahre zu schlafen.

 

Gegen Ende seines letzten Buches äußert sich der Börsenprofi noch zu der Thematik Stock Picking. Für Kostolany spielt für die Auswahl von Einzelwerten vor allem die jeweilig aktuelle Tendenz an den Märkten eine wesentliche Rolle. In einer Hausse-Phase kann selbst ein schlechter Anleger mit einzelnen Aktien Kursgewinne erzielen. Bei fallenden Kursen gewinnen hingegen nicht einmal die professionellen Vermögensverwalter. Folglich kommt für den Autor zuerst die generelle Tendenz an der Börse und erst an zweiter Stelle die Qualität der Aktienauswahl. Um die jeweiligen Kursschwankungen vernachlässigen zu wollen, muss ein Anleger langfristig orientiert in Unternehmen investieren. Hinsichtlich der Bestimmung des fairen Wertes einer Aktie spielt für Kostolany vor allem der psychologische Faktor eine wichtige Rolle. Demnach hängt die Beurteilung des Preises einer Aktie durch bspw. das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von der Einstellung des jeweiligen Analysten ab. Wäre das KGV das Ein mal Eins der Börsenanalyse, hätte man zum Beispiel niemals Aktien von Technologiewerten kaufen können, und somit hohe Kursgewinne verpasst. Ob eine Aktie unter- oder überbewertet ist, hängt allein von den fundamentalen Kennzahlen und den zukünftigen Perspektiven des Unternehmens ab. Nach diesen Kriterien sollte ein Anleger eine Aktie so objektiv wie möglich analysieren und einen für sich fairen Preis identifizieren.

 

Als Abschluss des Buches nennt Kostolany noch seine zehn Gebote und Verbote, an die sich ein erfolgreicher Börsenteilnehmer immer halten sollte.

 

Zehn Gebote:

 

 - Durchführung und Festhalten eigener Ideen

 - Verfügbarkeit von ausreichend Kapital

 - Geduld

 - Nervenstärke

 - Fähigkeit der Selbstkritik

 - Fähigkeit, sich von fehl eingeschätzten Ideen trennen zu können

 - Kontinuierliche Überprüfung der eigenen Investitionen 

 - Nur aus eigener Überzeugung handeln

 - Berücksichtigung aller Risiken

 - Keine Selbstüberschätzung

 

Zehn Verbote:

 

 - Berücksichtigung sog. Geheimtipps

 - Vertrauen in das Wissen aller Börsianer

 - Drang, Verluste zurückgewinnen zu wollen

 - Berücksichtigung historischer Kurse 

 - Schwierigkeiten, Entscheidungen treffen zu können

 - Ständige Beobachtung der Kursbewegungen

 - Ständiges Ziehen einer Bilanz von Gewinnen und Verlusten

 - Verkaufen aufgrund Gewinnmitnahme

 - Emotionale Beeinflussung durch politische Sympathien oder Antipathien

 - Übermütiges Handeln 

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