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II. Information

Um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu bestimmen, muss sich ein Investor mit Hilfe einer umfassenden Recherche über jeden relevanten Bereich eines Unternehmens erkundigen und diesen in seine Bewertung miteinbeziehen. Denn wie schon Warren Buffett einst sagte, liegt eine Investition erst dann vor, wenn sie nach umfassender und gründlicher Analyse die Sicherheit des eingesetzten Kapitals und eine angemessene Rendite verspricht. Die Grundlage hierfür liegt in der Beschaffung von Informationen zu einem Unternehmen und der jeweiligen Industrie. Dies gilt sowohl für einen großen Vermögensverwalter, als auch für den Privatinvestoren.

 

Investor Relations

 

Ein jedes börsennotiertes Unternehmen verfügt über eine Abteilung, die sich ausschließlich um die Investor Relations kümmern. Hierunter versteht man die aktive Pflege der Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinen aktuellen sowie potentiellen Anteilsbesitzern. Diese Abteilung operiert mit dem Ziel der kontinuierlichen und zielgerichteten Kommunikation mit den Eigen- und Fremdkapitalgebern. Mit Hilfe der Investor Relations betreibt der Vorstand Marketing für das eigene Unternehmen und die eigene Aktie. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass die Aufgabe der Abteilung nicht darin liegt, Aussagen zu einer möglichen Unter- oder Überbewertung der Aktie zu treffen. Die Investor Relations stellen lediglich alle relevanten Informationen über das eigene Unternehmen für die Interessensgruppe zur Verfügung.

 

- Geschäftsberichte / Quartalsberichte

- Unternehmenspräsentationen

- Factsheets

- Pressemitteilungen / Ad-hoc Mitteilungen

- Informationen zur Aktie

 

Für die Erstellung eines ersten Überblicks über das Geschäftsmodell und die bisherige operative und finanzielle Entwicklung eines Unternehmens bieten einem Anleger Unternehmenspräsentationen und Factsheets (Unternehmensüberblick) erste hilfreiche Informationen. Für einen tieferen Einblick stellen die Investor Relations den Zugriff auf alle Geschäfts- und Zwischenberichte eines Unternehmens zur Verfügung. Diese bieten einem Anleger alle notwendigen Informationen zur Durchführung einer umfassenden und gründlichen Unternehmensanalyse und Bestimmung des intrinsischen Wertes. Des Weiteren empfiehlt es sich hier noch einen Blick auf die Presse- und Ad-hoc-Mitteilungen der vergangenen Jahre zu werden, um wichtige Ereignisse im bisherigen Geschäftsverlauf nicht zu übersehen. 

 

Presse & Medien

 

Zeitungs- und Online-Artikel sowie Beiträge aus Magazinen stellen eine weitere hilfreiche Quelle für Informationen zu einem Unternehmen dar. In renommierten Zeitungen und Magazinen wie bspw. der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Wirtschafts-Woche, dem Handelsblatt, der Börse-Online, Capital und Financial Times sowie dem Wallstreet Journal lassen sich in der Regel informationsreiche Artikel finden. Über die Webseiten oder Apps dieser Anbieter besteht zum Teil die Möglichkeit, Artikel kostenlos zu lesen. Ein nicht unwesentlich großer Teil der veröffentlichten Artikel kostet jedoch Geld. Meiner Meinung nach macht es daher Sinn, wenn man sich von seiner bevorzugten Zeitung sowie von ein bis zwei guten Magazinen ein Abonnement holt. Durch das kontinuierliche Lesen einer Zeitung hält man sich zum einen hinsichtlich gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Themen auf dem Laufenden und kann sich somit ein aktuelles Bild über die Lage der nationalen sowie internationalen Geschehnisse machen. Zum anderen erfährt man hierdurch oftmals von interessanten Entwicklungen in Branchen oder bei Unternehmen. Finanzmagazine stellen zudem eine interessante Informationsquelle dar. Die Zeitschrift Börse-Online konzentriert sich bspw. vor allem auf die Bereitstellung von Informationen und Analysen zu Aktien und andere Investitionsmöglichkeiten.

 

Das Verlagshaus Dow Jones & Company bietet hierzu einen zwar kostenintensiven, jedoch sehr hilfreichen Service für das Finden von Artikeln an: Factiva. Hierbei handelt es sich um eine kommerzielle Datenbank für Presse-, Unternehmens- und Wirtschaftsinformationen. Diese beinhaltet rund 40.000 Nachrichtenquellen aus über 200 Ländern weltweit. Mit Hilfe von selbst definierbaren Suchparametern kann man die Datenbank gezielt nach Unternehmen und Themen filtern. Hierdurch besteht bspw. die Möglichkeit, alle Artikel zu einem Unternehmen der letzten zwei Jahre mit dem Fokus auf ein bestimmtes Thema übersichtlich dargestellt zu erhalten. Dieser Service ist jedoch recht kostenintensiv. Die monatliche Gebührt kann über 300 USD betragen. Eventuell besitzt man jedoch die Möglichkeit, über die eigene Universität oder den eigenen Arbeitgeber Zugriff zu dem Tool zu erhalten. Bei der persönlichen Interpretation der in einem Artikel bereitgestellten Informationen sollte man zunächst nicht die darin enthaltene Meinung des Verfassers berücksichtigen. Der Bildung einer eigenen Meinung zu dem Unternehmen und der Branche muss höchste Priorität zugeordnet werden. Der Artikel hilft einem somit zunächst nur dabei, einem noch möglicherweise unbekannte Informationen ausfindig zu machen und diese in den eigenen Analyseprozess mit aufzunehmen.

 

Informationen zu Branchen

 

Die Beschaffung von kostenlosen und qualitativ hochwertigen Daten zu einzelnen Branchen fällt in der Regel schwierig aus. Doch für die Analyse sind diesbezügliche Informationen über die historische und potentielle Entwicklung des Marktvolumens und -umsatzes sowie aktuelle Trends und Markttreiber einer Branche von essentieller Bedeutung. Diese Art von Informationen werden vor allem durch Branchenreports unterschiedlicher Anbieter veröffentlicht. Der Großteil dieser Reports kostet jedoch sehr viel und ist für Privatpersonen kaum zu finanzieren. Mit etwas Glück sowie Rechercheaufwand und den richtigen Quellen kann es einer Privatperson trotz dessen gelingen, kostenlose Marktstudien ausfindig zu machen. Hierfür bieten sich drei Möglichkeiten an.

 

- Allgemeine Web Suche

- Kostenlose Anbieter

- Branchenverbände

- Statistische Bundesämter

- Statista

 

Zum einen besteht die Möglichkeit, kostenlose Reports über eine einfache Web Recherche ausfindig zu machen. Zum anderen bieten führende Finanzdienstleistungsunternehmen eine Vielzahl kostenloser Reports, Studien und Insights zu unterschiedlichen Industrien an. Hierzu zählen bspw. die Beratungs- und Prüfungshäuser Boston Consulting Group, Bain & Company, McKinsey, Capgemini, Oliver Wyman, PWC, KPMG, Deloitte und EY. Neben diesen Anbieter kann es noch von Nutzen sein, den jeweiligen Verband einer Branche zu identifizieren und auf dessen Webseite nach evtl. hilfreichen Publikationen zu suchen. Ggf. lohnt es sich hier auch, den jeweiligen Verband zu kontaktieren und nach Daten oder möglichen Quellen für das Finden von Informationen zu fragen. Des Weiteren existieren für viele Länder sog. Statistische Bundesämter. Dabei handelt es sich um Bundesbehörden, die eine Vielzahlt historischer Informationen zu Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft eines Landes sammeln und analysieren. In Deutschland ist bspw. das statistische Bundesamt (Destatis) für diese Aufgabe zuständig. Als letzte Quelle für die Beschaffung branchenrelevanter Informationen ist noch das Online-Portal für Statistiken Statista zu empfehlen. Statista zählt mit über 23.000 Quellen zu den größten Statistikdatenbanken der Welt und bietet zu vielen Industrien eine Vielzahl von historischen und prognostizierten Daten auf. Mit Hilfe dieser Quellen besteht auch für den Privatinvestoren die Möglichkeit, kostenlos an hilfreiche Informationen zu kommen und sich somit einen aktuellen Überblick und eine angemessene Prognose zu einer Branche zu verschaffen.

 

Analysten

 

Bei der Suche nach relevanten Informationen stoßt man des Öfteren auf Kursprognosen von Bankanalysten. Diese Empfehlungen beruhen auf den Ergebnissen von sog. Analysten Reports. Diese Berichte werden von Analysten großer Banken und Finanzhäuser zu spezifischen Einzeltiteln regelmäßig angefertigt und veröffentlicht. Über die kostenintensive Datenbank Thomson Reuters erhält man Zugriff auf Analysten Reports von bspw. Morgan Stanley, J.P. Morgan, UBS, Barclays oder der Deutschen Bank für den Großteil der börsennotierten Unternehmen weltweit. Mit Hilfe historischer Daten zum Unternehmen und der Branche sowie unter Anwendung von Bewertungsverfahren stellen die Analysten darin ihre Prognosen für die zukünftige Entwicklung des operativen Geschäfts und des Preises einer Aktie auf. Dabei umfassen vor allem die sog. Initial Coverage Reports eine Fülle von hilfreichen Informationen. Hierbei handelt es sich um den ersten Analysten Report zu einem Unternehmen. Mit Glück findet man diese Berichte, wenn auch etwas veraltet, durch eine Recherche im Internet. Teilweise stellen die jeweiligen Unternehmen diese auch auf ihren Investor Relations Seiten zur Verfügung. Ein Versuch kann sich somit lohnen. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass man sich bei diesen Reports vor allem auf die darin enthaltenen Informationen zu dem jeweiligen Unternehmen konzentrieren und die Meinung sowie Prognose des Analysten eher vernachlässigen sollte. Denn der Anlagehorizont der meisten Analysten beträgt in der Regel nur 12 Monate. Der Grund hierfür liegt in dem Geschäftsmodell der Banken. Diese verdienen ihr Geld durch Handelsgebühren. Bei der Wertpapieranalyse geht es den Banken somit vor allem darum, den Kunden Handelsempfehlungen vorzulegen, damit diese handeln können. Die Analageempfehlungen liegen somit meistens nicht im Interesse eines wertorientierten Anlegers.

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