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Finanzierung I - Finanzielle Stabilität

Eigenkapitalquote / Fremdkapitalquote

 

Die Eigenkapitalquote stellt das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme dar und gibt quasi die Verschuldung eines Unternehmens an. Ein gewisser Fremdkapitalanteil ist aber in jedem Unternehmen zu finden. Denn die Vorteile von Fremdkapital sind nicht zu vernachlässigen. Fremdkapital besitzt eine steuerliche Abzugsfähigkeit, denn die zu zahlenden Zinsen können die Steueraufwendungen eines Unternehmens senken. Zudem ist Fremdkapital günstiger als Eigenkapital, da Gläubiger im Falle einer Insolvenz vorrangig bedient werden, wodurch diese einem geringeren Risiko ausgesetzt sind. Durch kurzfristige Kredite lässt sich auch die Liquidität eines Unternehmens flexibel erhöhen.  Jedoch sollte der Fremdkapitalanteil nicht zu hoch liegen, denn steigende Kredite führen zu steigenden Zinsaufwendungen und somit zu einem erhöhten Risiko, vor allem in wirtschaftlichen Abschwungphasen. Ein langfristig orientierter Value-Investor präferiert daher eine hohe Eigenkapitalquote. Da fremdes Kapital günstiger als Eigenkapital ist, neigen Manager in guten Zeiten dazu, den Wert ihres Unternehmens mit geliehenem Kapital zu erhöhen. Die angestrebte Höhe der Eigenkapitalquote hängt von dem jeweiligen Unternehmen und der jeweiligen Branche ab. Etablierte und weltweit tätige Konzerne benötigen in der Regel eine geringere Quote als kleine Wachstumsunternehmen. Im Allgemeinen sollte das Eigenkapital über 40 bis 50 Prozent der Bilanzsumme ausmachen. Als erste Filterschwelle ist ein Wert größer 40 Prozent zu empfehlen. Bei Verwendung der EK-Quote ist aber zu bedenken, dass diese mit der Eigenkapital-Rentabilität im Zusammenhang steht. Die EK-Rentabilität gibt an, wie viel Gewinn das Unternehmen aus einem Euro Eigenkapital erwirtschaftet. Eine niedrige EK-Quote kann daher durch eine hohe EK-Rentabilität ausgeglichen werden bzw. ist sogar von Vorteil.

 

Verschuldungsgrad

 

Der Verschuldungsgrad stellt das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital dar und ist eine weitere Kennzahl zur Bewertung der Verschuldung. Ein Verschuldungsgrad von 100 Prozent bedeutet, dass auf jeden Euro Eigenkapital ein Euro Fremdkapital kommt. Für den Verschuldungsgrad gelten die Kriterien von der Eigen- und Fremdkapitalquote. In der Regel sollte das Verhältnis nicht höher sein als 2 zu 1 (200%). Das Fremdkapital sollte also nicht mehr als das Doppelte des Eigenkapitals betragen.

 

Gearing

 

Das Gearing gibt an, zu welchem Grad die Nettofinanzverbindlichkeiten – also die finanziellen Verbindlichkeiten abzüglich der flüssigen Mittel – durch das Eigenkapital gedeckt ist. Das Gearing stellt eine der wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung der finanziellen Stabilität dar, da sie alle wichtigen Bilanzbestandteile (Finanzverbindlichkeiten, liquide Mittel und Eigenkapital) enthält. Im Vergleich zur Eigenkapitalquote berücksichtigt das Gearng nur die zinstragenden Verbindlichkeiten (Finanzverbindlichkeiten). Daher werden nach dieser Kennzahl eher hohe Bestände an Schulden aus Lieferungen und Leistungen bevorzugt, da diese nicht verzinst sind. Ein niedriges Gearing lässt auf eine geringe Nettoverschuldung schließen. Weißt ein Unternehmen in seiner Bilanz höhere liquide Mittel als Finanzverbindlichkeiten (negatives Gearing) auf, so ist es nach dieser Kennzahl als schuldenfrei anzusehen. Das würde  bedeuten, dass 100 Prozent der Netto-Finanzverbindlichkeiten durch das Eigenkapital gedeckt sind. Der optimale Zielwert für das Gearing liegt bei 10 bis 20 Prozent. Ab einem Wert von 70 Prozent befindet sich das Unternehmen in einer finanziell kritischen Lage.

 

Dynamischer Verschuldungsgrad

 

Der dynamische Verschuldungsgrad gibt die Dauer der Schuldentilgung (in Jahren) an, sofern das Unternehmen den gesamten Free Cashflow für die Tilgung verwendet. Aufgrund der hohen Schwankungsanfälligkeit sollte für den Free Cashflow der Durchschnittswert der letzten fünf Jahre verwendet werden. Gegenüber dem Gearing berücksichtigt der dynamische Verschuldungsgrad auch die Einkommensseite eines Unternehmens. Denn es besteht die Möglichkeit, dass ein Unternehmen trotz niedrigem Gearings in finanzielle Schwierigkeiten kommen kann, sobald es keine Cashflows mehr generieren kann, um die Verbindlichkeiten zu bedienen. Trotz einer hohen Verschuldung (FK-Quote) kann ein Unternehmen somit eine hohe finanzielle Stabilität aufweisen, wenn es über stabile und hohe Cashflows verfügt. Der Zielbereich des dynamischen Verschuldungsgrades liegt zwischen einem und zwei Jahren. Ab fünf Jahren ist der Verschuldungsgrad als kritisch einzustufen.

 

Zinsdeckungsgrad

 

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Anlagendeckungsgrad I und II

 

Die „Goldene Bilanzregel“ besagt, dass langfristiges Vermögen auch langfristig finanziert werden soll, um Engpässe bei Finanzierungen zu vermeiden. Der Anlagedeckungsgrad I stellt die prozentuale Deckung des Anlagevermögens durch das Eigenkapital eines Unternehmens dar. Durch die Möglichkeit der Aufnahme langfristigen Fremdkapitals liegt der Zielwert des ersten Anlagedeckungsgrad bei 70 bis 90 Prozent. Beim Anlagedeckungsgrad II wird das langfristige Fremdkapital berücksichtigt. Beträgt dabei der Wert über 100 Prozent, dann ist neben dem Anlagevermögen auch ein Teil des langfristigen Umlaufvermögens durch das Eigenkapital gedeckt. Als Zielwert werden Werte ab 130 Prozent empfohlen.

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