· 

Working Capital Management

Das Working Capital Management ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Unternehmens, unabhängig von Branche, Größe und aktueller Situation. Dabei geht es um die Steuerung der kurzfristigen Vermögenswerte sowie der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die hierbei verwendete Kennzahl ist das Netto-Umlaufvermögen (Net Working Capital). Diese gibt die Differenz aus den kurzfristigen Aktiva und den kurzfristigen Passiva an. Zu den kurzfristigen Aktiva zählen die Vorräte, Forderungen, liquiden Mittel und sonstigen kurzfristigen Vermögenswerte. Die kurzfristige Passivseite besteht aus den kurzfristigen Schulden eines Unternehmens. Ein positives Netto-Umlaufvermögen besagt, dass das Anlagevermögen und langfristige Umlaufvermögen eines Unternehmens durch langfristiges Kapital gedeckt ist (goldene Bilanzregel).

 

 

Die Liquidität und damit verbundene finanzielle Sicherheit eines Unternehmens lässt sich durch die Höhe des Netto-Umlaufvermögen bemessen. Dabei gilt jedoch zu berücksichtigen, dass es sich bei dieser um eine statische Bilanzkennzahl handelt. Die Aussagekraft ist daher begrenzt. Künftige Zahlungsströme, also die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben eines Unternehmens werden dabei nicht bewertet, wodurch es zu einer verfehlten Bewertung der Liquiditätslage kommen kann. Des Weiteren gilt zu beachten, dass ein zu hoch ausfallendes Net Working Capital auf eine zu hohe Bindung von kurzfristigem Vermögenswert schließen kann. Dies könnte negative Auswirkungen auf die Eigenkapitalrentabilität haben. In diesem Spannungsfeld zwischen zu wenig und zu viel Netto-Umlaufvermögen bewegt sich das Working Capital Management. 

 

Ein Rückgang des operativen Geschäfts und die daraus folgenden Umsatzeinbußen führen zu negativen Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Als Folge dessen ist ein Unternehmen bei der Aufrechterhaltung des operativen Geschäftes dazu gezwungen, neue Kredite zu schlechteren Zinskonditionen aufzunehmen. Ansteigende Zinsaufwendungen führen wiederum zu sinkenden Gewinn- und Liquiditätsergebnissen. Um ein solches Szenario zu vermeiden, sollte ein Unternehmen allgemein immer ausreichend kurzfristiges Zahlungsmittel zur Begleichung fälliger Verbindlichkeiten in der Bilanz vorweisen können. Die Aufrechterhaltung der Liquidität ist ein essentieller Bestandteil für das Überleben eines Unternehmens. Aufgrund dessen sollte die Implikation eines an die Unternehmensstrategie und Marktsituation angepassten Liquiditätsmanagements, ein zentraler Baustein der Unternehmensführung sein. 

 

Beim Working Capital Management spielen vor allem der Umgang mit den Forderungen gegenüber Kunden und den Krediten gegenüber Lieferanten sowie der Lagerung von Vorräten eine wichtige Rolle. In diesen drei Handlungsfeldern besteht für ein Unternehmen die Möglichkeit, seine Liquiditätslage zu verbessern und zu optimieren. Häufig ist im Umlaufvermögen mehr Kapital gebunden, als eigentlich notwendig. Das kann zu rückläufigen Investitionsaktivitäten eines Unternehmens führen. Mit Hilfe eines erfolgreichen Working Capital Management können innerhalb dieser drei Handlungsfelder umfassende Liquiditätsreserven generiert werden.

 

Vorratsintensität

 

Die Kennzahl der Vorratsintensität stellt die Vorräte mit dem Gesamtvermögen eines Unternehmens ins Verhältnis. Die Bilanzposition Vorräte beinhaltet Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe, fertige und unfertige Erzeugnisse sowie Waren. Das Gesamtvermögen entspricht dabei dem Anlagevermögen. Die Vorratsintensität gibt an, wie viel Prozent des Gesamtvermögens im Vorratsvermögen gebunden sind. Je höher die Kennzahl ausfällt, desto mehr Liquidität ist im Vorrat gebunden. Des Weiteren lässt ein hoher Vorratsbestand auf hohe Lagerkosten schließen. Der Zielbereich der Vorratsintensität ist über alle Branchen hinweg für produzierende Unternehmen recht unterschiedlich. Bei der Interpretation des Ergebnisses muss daher unbedingt die Tätigkeit des jeweilig betrachteten Unternehmens berücksichtigt werden. Unternehmen erhöhen bspw. den Lagerbestand, um sich gegen lange Lieferzeiten oder steigende Preise abzusichern.   

 

Umschlagshäufigkeit der Forderungen

 

Diese Kennzahl gibt darüber Aufschluss, ob ein Unternehmen fähig ist, seine Forderungen gegenüber der Kundschaft zu reduzieren. Die Umschlagshäufigkeit der Forderungen stellt die Umsatzerlöse mit den durchschnittlichen Forderungen aus Lieferung und Leistung ins Verhältnis. Je höher das Ergebnis ausfällt, desto weniger Kapital ist in den Forderungen gebunden und desto mehr Liquidität steht dem Unternehmen zu Verfügung. Mit einem verbesserten Mahnwesen und umfassenden Bonitätsprüfungen lassen sich diese Forderungen reduzieren. Als alternative Darstellung dieser Kennzahl kann zudem die durchschnittliche Zeit (in Tagen) berechnet werden, die es benötigt, bis Rechnungen seitens der Kunden beglichen werden - Days Sales Outstanding (Debitorenlaufzeit).  Dabei werden die Forderungen aus Lieferung und Leistung mit 365 Tagen multipliziert und anschließend mit den Umsatzerlösen ins Verhältnis gesetzt.    

 

Umschlagshäufigkeit der Verbindlichkeiten

 

Die Kennzahl gibt Aufschluss über das Zahlungsverhalten. Ein sinkender Wert kann auf eine verschlechternde Liquiditätslage hindeuten. Die Umschlagshäufigkeit setzt den Materialaufwand eines Unternehmens mit den durchschnittlichen Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung ins Verhältnis.  Das Zahlungsverhalten eines Unternehmens kann zudem zeitlich bemessen werden. Die Days Payables Outstanding (Kreditorenlaufzeit) berechnet die durchschnittliche Zeit (in Tagen), bis ein Unternehmen Lieferantenrechnungen bezahlt. Dabei werden die durchschnittlichen Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung mit 365 Tagen multipliziert und anschließend mit dem Materialaufwand ins Verhältnis gesetzt.   

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0