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Das Kapital im 21. Jahrhundert - T. Piketty

Das Buch von Thomas Piketty erschien erstmals im Jahr 2013 und wurde zum internationalen Bestseller. Aufgrund des Werkes entbrannte in vielen Ländern der Welt eine Debatte zum Thema Ungleichheit. Denn genau darüber handelt das Buch im Wesentlichen. Zu diesem Zweck, analysiert der Ökonom eine umfassende Menge an Daten aus rund 20 Jahren empirischer Forschung.

 

Ein wesentlicher Teil des Buches besteht aus der Darstellung und Erläuterung historischer Zeitreihen zur Entwicklung des Anteils der Spitzeinkommen am gesamten Einkommen. Betrachtet man das oberste Perzentil der letzten 100 Jahre in den angelsächsischen Ländern und den Ländern Kontinentaleuropas, fällt auf, dass es vor allem in den USA und Großbritannien zu einer Rückkehr zur Ungleichheit des Arbeitseinkommens gekommen ist. In Europa und Japan hingegen liegt die Ungleichheit noch auf einem konstanten Niveau. Bei Betrachtung der Ungleichheit spielt stets der Wettlauf zwischen Bildung und Technologie eine wichtige Rolle. Wenn sich das Angebot von Qualifikationen nicht mit derselben Geschwindigkeit wie der Bedarf seitens der Technologie weiterentwickelt, bleiben die Gruppen, deren Bildung nicht ausreichend fortgeschritten ist, auf einer Beschäftigung im Niedriglohnbereich sitzen. Folglich steigt die Schere zwischen den unteren und oberen Einkommen. Investitionen in Bildungsmaßnahmen eröffnen auf lange Sicht die besten Aussichten darauf, Ungleichheiten einzudämmen und zugleich die durchschnittliche Produktivität pro Werktätigen und das globale Wirtschaftswachstum zu steigern.  

 

Bei der Erläuterung einer wesentlichen Ursache für die wachsende „Kluft“ zwischen arm und reich vergleicht Piketty die Kapitalrendite „r“ und Wachstumsrate „g“. Historisch betrachtet liegen die Kapitalrenditen im Schnitt um die vier bis fünf Prozent. Das Wachstum (Einkommenswachstum) hingegen in den fortgeschrittenen Ländern meist nur bei ein bis zwei Prozent. Mit Ausnahme der Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert belegen die Daten von Piketty dieses Problem (r > g). Aufgrund dessen verschiebt sich das Vermögen in Richtung oberste zehn Prozent. Denn je mehr Kapital zur Verfügung steht, desto mehr Ertrag kann durch die Kapitalrendite generiert werden. Es wird immer schwieriger ohne eigenes Vermögen und nur mit Arbeit auf das Niveau jener zu kommen, die bereits Vermögen besitzen und dieses für sich arbeiten lassen.

 

Piketty’s Analyse der historischen Entwicklung bezüglich der Wachstumsraten für die Einkommen verdeutlichen, dass eine Annäherung der Wachstumsrate an die Kapitalrendite recht unwahrscheinlich ist. Doch Piketty merkt dazu des Öfteren an, dass es sich hierbei nicht um einen Automatismus handelt. Es besteht die Möglichkeit, die Ungleichheitsdynamik zu stoppen. Im letzten Teil seines Buches zählt der Autor politische Lösungsvorschläge zur Eindämmung der Ungleichheit auf. Dazu zählen bspw. eine globale und steigende Vermögenssteuerung sowie höhere Spitzensteuersätze für die obersten Prozente der Bevölkerung. Des Weiteren fordert der Ökonom größere Anstrengungen zur Bekämpfung von Steueroasen.

 

„Kapital“ von T. Piketty ist eine inhaltlich tiefgreifende und mit einem umfassenden Datenschatz bestückte Lektüre, die in jedem Regal einer volkswirtschaftlich Interessierten Person als Standardwerk zu finden sein sollte.  

 

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