· 

Mayr Melnhof

Mayr-Melnhof ist der weltweit größte Produzent von gestrichenem Recyclingkarton und europäischer Marktführer bei Faltschachteln. Das Unternehmen mit Sitz in Wien wurde vor mehr als 60 Jahren gegründet und hat sich in den letzten 30 Jahren zum europäischen Marktführer in seinen Kernbereichen entwickelt. Das Unternehmen produziert Karton und Faltschachteln für die Verpackung von Konsumgütern des täglichen Bedarfs. Mit seinen knapp 10 Tausend Mitarbeitern setzte der Konzern knapp 2,2 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2015 um. Die Produkte werden dabei in über 100 Ländern der Welt vertrieben. Mit 85 Prozent wird der Großteil der Umsatzerlöse in Europa generiert. Lateinamerika, Asien und Afrika folgen jeweils mit ca. fünf Prozent. Mayr-Melnhof verfügt über 45 Produktionsstätten, 7 Kartonwerken und 38 Faltschachtelstandorten auf vier Kontinenten. Dabei wird das operative Geschäft in die zwei Segmente MM Karton und MM Packaging unterteilt. Die beiden Kerngeschäftsbereiche operieren als eigenständige Profit-Center, die untereinander zu Marktkonditionen verkehren. MM Karton liefert dabei 11 Prozent des Kartonabsatzes an MM Packaging, der Rest wird an außerbetriebliche Faltschachtelproduzenten verkauft. MM Packaging bezieht ca. 30 Prozent der verarbeiteten Tonnage von MM Karton. Der restliche Bedarf wird durch Dritte bedient. Wenn nun das Segment Packaging der Kartonsparte aufgrund steigender Weltmarktpreise höhere Preise zahlt, belastet das dann zwar die Margen von Packaging, auf Konzernebene kann es aber dazu führen, dass dies durch höhere Profitabilität bzw. höhere Einnahmen der Kartonsparte kompensiert wird.

 

MM Karton

 

Mit einer Jahreskapazität von 1,7 Millionen Tonnen (2015) ist MM Karton der weltweit größte Hersteller von gestrichenem Recyclingkarton. Eine bedeutende Position nimmt dabei der Bereich Frischfaserkarton ein. 2015 entfielen rund 80 Prozent der Produktion auf Recyclingkarton und 20 Prozent auf Frischfaserkarton. Die Kartonprodukte von Mayr-Melnhof werden vor allem von Unternehmen der Lebensmittel- sowie Hygiene- und Haushaltsindustrie nachgefragt. Die Nachfrage nach Karton korreliert deshalb auch weitgehend mit dem Privatkonsum. Die Kapazitätsauslastung lag 2015 bei 98 Prozent. Als bedeutendstes Konkurrenzprodukt werden Verpackungen aus Kunststoff gezählt. Jedoch finden diese in der Regel bei anderen Produkten ihre Anwendung. Zudem hängt Kunststoff stark vom Erdölpreis ab und ist nicht bzw. kostenintensiver zu recyceln. MM Karton beliefert mehr als 1.000 Kunden. Mit 11 Prozent ist MM Packaging der größte Abnehmer. Die Produkte werden auf neun Kartonmaschinen an sieben Standorten in Europa produziert. Die Kartonprodukte werden zwar weltweit abgesetzt, der europäische Kartonmarkt wird jedoch aufgrund logistischer Anforderungen und der kurzfristigen Kundenbestellungen zum Großteil aus Europa beliefert. Der Handel zwischen Kontinenten fällt daher eher weniger ins Gewicht. 83,1 Prozent der Umsatzerlöse wurden in Europa erzielt. Asien folgt mit 7,4 Prozent und die restlichen 9,5 Prozent wurden in Lateinamerika und Afrika generiert.    

 

 

MM Packaging

 

MM Packaging verarbeitet inklusive der jüngsten Akquisition in Frankreich (Ileos) 753.000 Tonnen Recycling- und Frischfaserkarton pro Jahr zu 59 Milliarden Verpackungen für verschiedene Konsumgüter. Damit ist Mayr-Melnhof in Europa mit Abstand führend und gehört weltweit zu den Umsatzstärksten. MM Packaging gilt als Kosten-, Markt- und

 

Technologieführer der Branche. Zu den Kunden gehören hauptsächlich Unternehmen des Marktes für Fast Moving Consumer Goods (FMCG), also Warengüter, die schnell im Verkaufsregal wechseln bzw. rotieren. Die Produkte der MM Packaging sind ebenso für Branchen wie Zigaretten, Pharma, Waschmittel, Personal Care und Luxusprodukte ausgerichtet. Der Großteil, also Drei Viertel der Umsatzerlöse fallen auf die vielen regionalen Abnehmer. MM Packaging zählt insgesamt mehr als 1.500 Kunden. Europa ist mit rund 90 Prozent der Hauptabsatzmarkt. Lateinamerika folgt mit 8 und Asien mir 3,3 Prozent. Die Produktion findet in aktuell 38 Werken in 16 Ländern auf vier Kontinenten statt    

 

 

Management

 

 

Die Vergütung des vergangenen Geschäftsjahres 2015 belief sich auf insgesamt 5,7 Millionen Euro (Vorjahr 5,5 Mio. Euro). Davon entfallen 2,8 Millionen Euro (Vorjahr 2,7 Mio. Euro) auf variable und 2,9 Millionen Euro (Vorjahr 2,8 Mio. Euro) auf fixe Vergütungskomponenten. Die variable Vergütungskomponente fällt im Vergleich zur fixen Komponente relativ hoch aus. Die Höhe der variablen Vergütung des Managements hängt von dem Jahresgewinn, den Cash Earnings, Dividendenzahlungen und dem RoCE ab.

 

The Stock

 

 

Die Mayr-Melnhof Aktie ist seit April 1994 an der Wiener Börse notiert und wird in deren Handelssegmenten, ATX (Austrian Traded Index) und ATX Prime (Qualitätsindex mit besonderen Transparenz- und Liquiditätsanforderungen), geführt. Darüber hinaus werden die Aktien in den USA in einem ADR (American Depositary Receipt) Programm mit der Bank of New York OTC (Over-the-Counter) gehandelt. Dadurch erhält die Gesellschaft erhöhte Wahrnehmbarkeit auf dem US-Markt und erhöhtes Liquiditätspotential. Die Gesamtanzahl der Aktien beträgt 20.000.000. Der aktuelle Kurs der Aktie liegt bei 105,3 Euro. Daraus ergibt sich eine Marktkapitalisierung i. H. v. 2,1 Milliarden Euro. Seit ihrem Tief zu Ende des Jahres 2008, konnte sich der Kurs der Aktie verdoppeln. 41 Prozent der Aktie befinden sich im Streubesitz. Die restlichen 59 Prozent werden von Eigentümerfamilien gehalten. Die Dividendenpolitik von Mayr-Melnhof verfolgt seit Langem die Ausschüttung von rund einem Drittel des Jahresergebnisses. 2015 wurde ein Dividende in Höhe von 2,80 Euro ausgeschüttet, das entspricht einer Dividendenrendite von 2,7 Prozent. Die Dividendenrendite lag in den letzten zehn Jahren bei durchschnittlich 2,6 Prozent.

 

Business Development 2007-2015

 

 

Business Development 2007-2015 (Metrics)

 

 

Die Umsatzkostenquote liegt seit neun Jahren konstant durchschnittlich bei 78 Prozent. Im Jahr 2015 erreichte sie einen Wert von 77 Prozent. Das Bruttoergebnis lag 2015 bei ca. 500 Millionen Euro. Damit ergibt sich eine Brutto-Marge von 23 Prozent. Der Verwaltungs- und Vertriebskostenquote konnte sich mit 10 Prozent im letzten Geschäftsjahr 2015 verbessern. Im Schnitt liegt diese bei konstant 13 Prozent. Der Forschungskostenanteil am Umsatz liegt im Schnitt bei 0,2 Prozent. Die Sachinvestitionsquote erreicht aktuell einen Wert von knapp über 60 Prozent. Die Investition in Sachanlagen sind in den letzten Jahren angestiegen. 2015 wurden rund 130 Millionen Euro in Sachanlagen investiert. Folglich fällt der Free Cashflow, trotz steigendem operativen Cashflow, relativ gering aus. 2015 betrug dieser knapp neun Millionen Euro.

 

Business Development 2016

 

Das erste Quartal von Mayr-Melnhof ist insgesamt positiv ausgefallen. Der Umsatz stieg um 7,9 Prozent auf 576 Millionen Euro. Das EBITDA konnte sich um 8,5 Prozent auf 80,3 Millionen Euro und das EBIT um 8,7 Prozent auf 55,2 Millionen Euro verbessern. Der Quartalsüberschuss lag mit 39,4 Millionen Euro, 11 Prozent über dem des Vorjahresniveaus. Die EPS liegen aktuell bei 1,96 Euro. Die finanzielle Stabilität hat sich nicht verändert. In Europa setzte Mayr-Melnhof 85,5 Prozent seines Umsatzes um. Das entspricht im etwa dem ersten Quartal 2015. Das Segment MM Karton verbesserte seinen Umsatz um 1,7 und das EBIT um 8,6 Prozent. Der durchschnittliche Auftragsstand lag mit 57.00 Tonnen deutlich unter dem Vorjahreswert von 87.000 Tonnen. Die Kapazitätsauslastung musste zwei Prozentpunkte abgeben und liegt bei 97 Prozent. Als wesentliche Gründe werden geplante Abstellmaßnahmen aufgrund von Instandhaltungen sowie Investitionsprojekte genannt. Mit 419.000 bzw. 427.000 Tonnen wurde leicht mehr hergestellt und verkauft als im Vorjahr. Davon wurden 81 Prozent in Europa und 19 Prozent im Rest der Welt verkauft. MM Packaging erhöhte seine Umsatzerlöse um 12,8 Prozent auf 339,2 Millionen Euro. Das EBIT liegt mit 35 Millionen Euro, 8,7 Prozent über dem Vorjahresquartal. Der Großteil des Wachstums ist der im Oktober abgeschlossenen Akquisition in Frankreich zuzuschreiben. Die verarbeitete Tonnage wuchs um 3,8 Prozent von 182.000 auf 189.000 Tonnen. Im ersten Quartal erfolgte zudem die Markteinführung der Kartonmarke FOODBOARD, ein neuer, hochwertiger gestrichener Karton mit einer einzigartigen funktionellen Barriere für sichere Lebensmittel-Verpackungen.

 

Market

 

Die Konzentration der Kartonindustrie ist in Europa und den USA bereits weit fortgeschritten. Rund 70 % der europäischen Kartonkapazitäten werden heute von den fünf größten Anbietern abgedeckt. Asien verzeichnete in der jüngeren Vergangenheit die dynamischste Entwicklung bei Verbrauch und Neukapazitäten, wobei die letzten Jahre bereits spürbar gedämpft ausfielen. Mayr-Melnhof ist hier mit Abstand Weltmarktführer. Aufgrund der stark spezifischen Fertigung von Karton in individuellen Formaten und hoher logistischer Anforderungen bezüglich kurzfristiger Bereitstellung beim Kunden wird der europäische Kartonmarkt zum Großteil auch aus Europa beliefert. Der Handel zwischen den Kontinenten hat eine weiterhin untergeordnete Bedeutung, insbesondere bei Recyclingkarton. Die weltweit erfassten Kartonkapazitäten liegen bei rund 48 Millionen Tonnen. Davon entfallen 38 Millionen Tonnen auf Faltschachtelkarton.

 

Analog zum Kartonmarkt entwickelt sich die Nachfrage nach Faltschachtel-Produkten parallel zur Gesamtwirtschaft, insbesondere dem Privatkonsum. Dementsprechend wächst MM Packaging seit Jahren durch Verdrängung, sowohl organisch als auch über Unternehmensübernahmen. Außerhalb Europas stehen vor allem Zukunftsmärkte mit attraktiver Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftlichem Potential im Mittelpunkt des Konzerns. Der Auslandsanteil am Umsatz hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt. Die fünf größten europäischen Faltschachtelhersteller generieren rund 30 Prozent der gesamten Branchenumsätze. Mayr-Melnhof ist der mit Abstand größte Produzent. In beiden Segmenten bleibt die Kostenreduktion und Effizienzsteigerung durch hohe Investitionen im Mittelpunkt des Unternehmens.

 

Die Nachfrage nach Karton und Faltschachteln ist vor allem durch ein hohes Maß an Kontinuität geprägt. Eine dynamische Entwicklung ist in den USA und Europa nicht wirklich zu erkennen. Der europäische Markt steht unter einem starken Preiswettbewerb. Zudem ist die Branche von den Marktpreisen für Altpapier abhängig. Demgegenüber entwickelten sich die Energiepreise vorteilhaft. Aufgrund der steigenden Wettbewerbsintensität steigt der Konsolidierungsprozess in der Branche weiter an. Auch Mayr-Melnhof verfolgt neben der Verbesserung des organischen Geschäfts, die Strategie neuer Übernahmen zur Erweiterung seiner Tätigkeit. Mayr-Melnhof wird weiterhin versuchen müssen, seine führende Marktposition durch organisches und akquisitives Wachstum zu halten bzw. auszubauen.

 

Die Industrie ist vor allem von der Konsumbereitschaft der europäischen Länder abhängig. Die Entwicklung des Privatkonsums bestimmt die Nachfrage. Laut dem Marktforschungsinstitut GfK werden die Konsumausgaben der Privathaushalte in Deutschland im Jahr 2016 real um zwei Prozent ansteigen. Für die Europäische Union wird ein Anstieg zwischen 1,5 und 2 Prozent erwartet. In Deutschland wird der private Konsum etwas mehr als das BIP wachsen können. Dabei wird der Einzelhandel von den steigenden Ausgaben profitieren. Für den Non-Food-Bereich wird ein Anstieg von 1,7 Prozent und für den Lebensmitteleinzelhandel inklusive der Drogeriemärkte von 1,5 Prozent geschätzt. Der Privatkonsum wird 2016 weiterhin eine Stütze der Konjunktur Europas sein. Gründe dafür sind das allgemein verbesserte Wirtschaftsklima und der damit verbundene Personalaufbau. Die Arbeitslosigkeit wird laut Schätzungen des GfK im Jahr 2016 sinken und die Kaufkraft steigen. 2015 ist die Arbeitslosigkeit der Europäischen Union bereits um 6 bis 8 Prozent gesunken. Es existieren jedoch auch gewisse Risikofaktoren, die den Privatkonsum belasten könnten. Die Flüchtlingskrise und Terrorgefahr könnten direkte Folgen auf die Konsumbereitschaft der Europäer haben. Zudem stützen die sehr stark gesunkenen Energiepreise die Wirtschaft noch. Steigende Preise könnten die Unternehmen zu Kosteneinsparungen "zwingen", wodurch es zu negativen Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt kommen könnte. Ein weitere Risikofaktor ist die weiterhin schwache wirtschaftliche Phase der Schwellenländer wie Brasilien, Russland und China. Dadurch können die Exportaussichten der deutschen bzw. europäischen Wirtschaft nachhaltig beeinträchtigt werden.

 

Conclusion

 

Mayr-Melnhof ist ein operativ rentabel und finanziell stabil geführtes Unternehmen, das seine führenden Marktpositionen seit mehreren Jahren erfolgreich verteidigen und ausbauen kann. Trotz des intensiven Wettbewerbs behauptet sich das Unternehmen und weist konstant gute Rentabilitätskennzahlen auf. Mayr-Melnhof ist keine Wachstumsaktie mehr. Dafür können Umsatz, EBITDA, EBIT und Gewinn seit über zehn Jahren zwar leicht, aber konstant ansteigen. Mayr-Melnhof wächst zum einen durch organische Verbesserungen. Zum anderen verfolgt der Konzern die Strategie der Übernahmen gleichartiger Unternehmen. Mit Ileos aus Frankreich stärkt das Unternehmen bspw. seine Position im Luxusgütersegment. Zudem konnte der Anteil des im Ausland erwirtschafteten Umsatzes in den letzten fünf Jahren steigen. In Südamerika und Asien erzielt Mayr-Melnhof wachsende Ergebnisse. Das Unternehmen muss die Kombination dieser drei Wachstumsmotoren weiterführen um bestehen zu können. Bis jetzt gelingt dies recht erfolgreich. Das erste Quartal verlief sehr positiv.    

 

rot = Performance ATX; blau = Performance Mayr

 

Die Mayr-Melnhof-Aktie konnte in den letzten vier Jahren gegenüber dem ATX (Wien) outperformen. Die Aktie zeigt insgesamt eine konstante, und nicht übertriebene Aufwärtsbewegung. Das KUV liegt bei 1,0 (Durchschnitt 0,9), das KGV bei 14,6 (Durchschnitt 14,7), das KBV bei 1,8 (Durchschnitt 1,7) und das KCV bei 10,1 (Durchschnitt 10,3). In den letzten sechs Monaten ist die Aktie von seinem Allzeithoch von 114 auf 105 Euro gefallen. Damit ergibt sich eine kurzfristig sehr gute Einstiegsmöglichkeit. In der heutigen Zeit ist es schwer, wirklich gute Unternehmen zu einem unterbewerteten Preis zu finden. Entweder ist eine Aktie zu teuer oder das Unternehmen hat gewisse Nachteile, ist aber dafür günstig. Die Marktbewertung weißt aktuell auf eine Unterbewertung des Unternehmens hin.

 

Financial Statement    

 

 

Valuation Metrics

 

 

Market Valuation

 

 

Enterprise Value

 

Download
Mayr Melnhof 2016
Mayr Melnhof Analyse.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.0 MB

Kommentar schreiben

Kommentare: 0