· 

Isra Vision

Isra Vision ist einer der Weltmarktführer für Oberflächeninspektionssysteme und gehört zu den global führenden Anbietern für 3D-Bildverarbeitungsprogramme. Das Unternehmen ist im Bereich der industriellen Bildverarbeitung tätig, die zur Qualitätsinspektion und Robotersteuerung eingesetzt wird. Die Keimzelle des Unternehmens entstand 1985 an der TU Darmstadt. Der Mitbegründer und aktuelle Geschäftsführer Enis Ersü und weitere Experten für Bildverarbeitung und Robotik gründeten Isra (Intelligent Systems Robotics and Automation) mit der Idee, den Automatisierungsgrad des verarbeitenden Gewerbes und die Qualitätssicherung mit Hilfe von „Sehenden Systemen“ zu optimieren. Die Kernkompetenz des Unternehmens liegt in der ISRA BrainWARE, einer innovativen Software für intelligente Machine Visions Systeme (industrielle Bildverarbeitungsprogramme). Die wesentlichen Anwendungen von Isra Vision konzentrieren sich auf die Automatisierung von Produktionsabläufen und die Qualitätssicherung der Produkte. Dabei ist das Unternehmen in zwei Geschäftsbereiche unterteilt. Im Bereich Surface Vision bietet Isra Vision innovative Lösungen zur Inspektion unterschiedlicher Oberflächen an. Dazu zählen zum Einen Bahnwaren wie Glas, Plastik, Papier, und Metalle. Zum Anderen werden die Systeme bei Produkten der Solar-, Gesundheits- und Mobilitätsindustrie angewendet. Im Bereich der Surface Vision bestehen die Kunden von Isra Vision größtenteils aus den Global Playern der jeweiligen Branche. Mit Surface Vision generiert das Unternehmen rund 85,6 Millionen Euro, also 76 Prozent des Gesamtumsatzes. Der Geschäftsbereich Industrial Automation konzentriert sich auf die Entwicklung und den Vertrieb von Anwendungen für die Roboterführung mit Hilfe von 3D-Systemen für die Montage, Vermessung, Formerkennung und Qualitätskontrolle von Prozessabläufen. Zu den Großkunden zählen hier vor allem Großkonzerne der Automobilbranche. Isra Vision ist mit der Industrial Automation vorwiegend in Deutschland vertreten. Volkswagen, Audi, BMW und Mercedes gehören bspw. zu den Kunden des Unternehmens. Die Systeme von Isra Vision finden ihre Anwendung vor allem beim Karosseriebau der Automobilindustrie. Mit der Industrial Automation kann das Unternehmen 24 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Die Systeme und Produkte beider Geschäftsbereiche werden durch eine intelligente Software-Architektur ergänzt. Isra Vision ist weltweit mit über 25 Standorten vertreten und beschäftigt aktuell über 570 Mitarbeiter. Zu den Absatzmärkten des Unternehmens zählen Deutschland, Großbritannien, die Türkei, der Nahe Osten, Russland und die USA sowie mehrere Länder Asiens.

 

 

Der wesentliche Treiber des organischen Wachstums bleiben die Innovationen. Isra Vision steckt daher einen großen Teil seiner Erlöse in die Forschung und Entwicklung. Denn die stetige Entwicklung innovativer Systeme und Produkte bilden den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens. Im abgelaufenen Geschäftsjahr investierte Isra Vision 19 Millionen Euro in die Abteilung Forschung und Entwicklung. Dabei stiegen die Aufwendungen für die F&E konstant mit dem Umsatz an. Im Durchschnitt gibt das Unternehmen 18 Prozent seines generierten Umsatzes pro Jahr für die Forschung und Entwicklung aus. Im Bereich der Industrial Automation konzentriert man sich auf die Weiter- und Neu-Entwicklung von 3D-Anwendungen für die Robot Vision und auf neue Messtechniken. Dabei wird versucht, die integrierte Intelligenz zu erhöhen, die Sensorsysteme zu verkleinern, den Implementierungsprozess zu verbessern und das Plug & Automate Portfolio zu erweitern. Hierfür wurde Isra Vision 2015 mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet. Im Segment der Surface Vision legt man den Entwicklungsschwerpunkt auf die Ausweitung der Produkte für Metall-, Glas- und Plastikfolieninspektion. Zu den Zielen gehören unter anderem die Steigerung der Auflösung und der Inspektionsgeschwindigkeit sowie die Vernetzung der Systeme mit kundenspezifischen Qualitätsdatenbanken.

 

Das Management  

 

Die Vergütung setzt sich aus kurzfristigen Bestandteilen und langfristigen Anreizkomponenten zusammen. Dabei setzt sich die kurzfristige Vergütung aus erfolgsunabhängigen und erfolgsabhängigen Komponenten zusammen. Die erfolgsunabhängige Komponente besteht im Wesentlichen aus einer fixen monatlichen Grundvergütung. Die erfolgsabhängige Komponente tritt in Form variabler Anteile bis zu einer Höhe von 50 Prozent des Grundgehalts auf. Diese werden jährlich anhand von festgelegten Zielen, also anhand der Entwicklung des Umsatzes und des operativen Ergebnisses (EBIT), definiert. Die langfristigen Anreizkomponenten beinhalten Vergütungen, deren Höhe auf Basis der Entwicklung des Unternehmens über einen Zeitraum von drei Jahren festgelegt werden. Insgesamt lag die Höhe der fixen und variablen Vergütung leicht über dem Vorjahresniveau.

 

 

Die Aktie 

 

 

Die Gesamtanzahl der Aktien beträgt 4.381.240. Der aktuelle Kurs der Aktie beträgt 62,90 Euro. Damit ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 275,6 Millionen Euro. Es befinden sich aktuell 70 Prozent der Aktien im Streubesitz. Die Vision Gbr. hält 5 Prozent der Aktien und die restlichen 25 Prozent sind im Besitz des Gründers und CEO Enis Ersü.  Ende 2015 gab der Vorstand bekannt, eine Dividende von 0,39 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2014 auszuzahlen. Das entspricht einer Dividendenrendite von 0,6 Prozent. Der Acht-Jahres-Durchschnitt der Dividendenrendite liegt bei rund 1,2 Prozent. Die relativ geringe Dividendenrendite kann bei Isra Vision als positiv wahrgenommen werden. Anstatt den Ertrag auszuzahlen, investiert das Unternehmen im Sinne einer kleinen Wachstumsaktie in das Zukunftspotential.

 

Konzernentwicklung

 

Isra Vision verzeichnet seit mehreren Jahren ein starkes Wachstum in seiner operativen Geschäftstätigkeit. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz jährlich um fast 15 Prozent steigern. Dabei generiert Isra Vision rund 76 Prozent seines Umsatzes mit dem Segment Surface Vision (Oberflächeninspektion) und die restlichen 24 Prozent mit dem Bereich Industrial Automation (3D-Roboterführungssysteme). Die zwei Hauptabsatzmärkte des Unternehmens sind Europa und Asien. In Europa verdient Isra Vision vor allem in Deutschland aufgrund der dortigen Automobilindustrie einen wesentlichen Teil seines Umsatzes. Asien spielt eine sehr wichtige Rolle für Isra Vision. Dort will man den Umsatzanteil auf mindestens 40 Prozent erhöhen. Insgesamt konnte der Umsatz in allen Regionen verbessert werden. Vor allem in den USA konnte der Umsatz mit einem Plus von 27,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich stark gesteigert werden. Das operative Ergebnis (EBIT) konnte in den letzten acht Jahren um jährlich 33,3 Prozent und der Jahresüberschuss um jährlich 20,9 Prozent verbessert werden. Der freie Cashflow (Free Cashflow) ist bei Isra Vision von relativ starken Schwankungen geprägt und fällt in der Regel sehr niedrig bzw. negativ aus. Der Grund dafür liegt größtenteils in den hohen Investitionen in die Forschung und Entwicklung sowie in den intensivierten Marketing- und Vertriebsmaßnahmen des Unternehmens. Isra investiert rund 8 Cent pro umgesetzten Euro in seine Marketing- und Vertriebskampagnen. Der Vorstand begründet die verhältnismäßigen hohen Aufwendungen für Entwicklung und Vertrieb mit dem vorhandenen Wachstumspotential des Unternehmens und der essentiellen Notwendigkeit neuer Innovationen. Die Eigenkapitalquote liegt im Schnitt bei 55 und die Eigenkapitalrendite bei 9,1 Prozent.

 

 

Für das vergangene Geschäftsjahr 2015 hat das Unternehmen, wie auch in den vorangegangenen 15 Börsenjahren mit Ausnahme der Wirtschaftskrise 2008, die Umsatzprognose bestätigt und den Umsatz auf über 122 Millionen Euro bei einem Jahresüberschuss von 14, Millionen Euro gesteigert. Der Bereich Industrial Automation konnte seinen Umsatz um 6 Prozent auf 26,6 Millionen Euro und sein operatives Ergebnis um 7 Prozent auf 5,3 Millionen Euro erhöhen. Wachstum konnte vor allem bei den optischen Lösungen zur 3D-Vermessung und der Plug & Automat-Produktfamilie für die Automobilbranche generiert werden. Der Bereich Surface Vision steigerte seinen Umsatz um 11 Prozent auf 85,6 Millionen Euro und sein EBIT um 15 Prozent auf 17,2 Millionen Euro. Hier konnte das Geschäft in der Plastik-, Solar- und Metallindustrie ausgeweitet werden. In der Metallindustrie gelang es dem Unternehmen, neue Großaufträge aus China für das neue Geschäftsjahr zu akquirieren.

 

 

Konzernentwicklung 2016

 

Isra Vision startet profitabel und mit positiver Auftragseingangsdynamik in das neue Geschäftsjahr 2015/2016. Der Umsatz konnte im ersten Quartal um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert auf knapp 26 Millionen Euro gesteigert werden. Das operative Ergebnis liegt bei 5,2 Millionen Euro, ein Plus von 12 Prozent. Der Jahresüberschuss liegt mit 3,5 Millionen Euro, 15 Prozent über dem des Vorjahres. Der Auftragsbestand wuchs um 30 Prozent auf 85 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine Auftragsreichweite von  272 Tagen. Isra Vision ist von seinem Großkundengeschäft abhängig und sollte daher über eine lange Auftragsreichweite verfügen. Läge diese bspw. unter einem halben Jahr, würde der Wegfall von Großkunden bereits starke negative Auswirkungen auf das operative Geschäft des Unternehmens haben. Trotz der allgemein nachlassenden Nachfragedynamik aus China, kann Isra Vision in Asien eine gute Auftragslage vorweisen. Auch in den USA und Europa wächst das Geschäft. Neue Märkte wurden mit Standorten in Mexiko und Teheran (Iran) erschlossen.

 

Der Markt

 

Die Wettbewerbsstrukturen der Branche sind durch viele Anbieter mit relativ geringem Marktanteil geprägt. Der Großteil der Unternehmen sind kleine Nischenanbieter mit wenig Mitarbeitern, die im Wesentlichen lokal oder auf spezifische Kundenanwendungen ausgerichtet sind. In den letzten Jahren konnte jedoch eine zunehmende Konsolidierung der Branche beobachtet werden. Durch viele in die Defensive gedrängte Wettbewerber besteht immer die Gefahr eines „Preiskrieges“. Viele Anbieter versuchen Marktanteile mittels niedriger Preise zu gewinnen. Zudem steigt der Wettbewerbsdruck. Machine Visions Systeme werden international zunehmend nachgefragt. Die Gefahr neuer Wettbewerber besteht daher immer. Aktuell stellen mehrere, wenn auch verhältnismäßig kleine Unternehmen, Komplett-Lösungen wie Isra Vision her. Das Unternehmen muss sich daher mit stetig innovativen Produkten auf dem Markt durchsetzen und darf keinen Trend verpassen. Die Beobachtung des Marktes hat somit einen entscheidenden Stellenwert im Risikomanagement. Für die industrielle Bildverarbeitung  in Europa sieht der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) für das Jahr 2016 ein Wachstum von 7 Prozent. Für das abgelaufene Jahr (2015) konnte ein Wachstum von 10 Prozent verzeichnet werden. In Nordamerika herrschen allgemeine Konjunktursorgen. Für das erste Halbjahr kann hier nur von niedrigen einstelligen Wachstumsquoten ausgegangen werden. In China besteht weiterhin große Unsicherheit bezüglich der Automobilbranche. Trotzdem rechnet man auch hier mit positiven Wachstumszahlen. Isra Vision beispielsweise konnte seinen Auftragsbestand in Asien erneut steigern.

 

Peer Group    

    

 

Fazit

 

Die Industrie 4.0 bezeichnet eine vierte industrielle Revolution und die Entwicklung der intelligenten Fabrik. Seit einigen Jahren ist die Industrie 4.0 vor allem im produzierenden Gewerbe auf dem Vormarsch. Das stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen. Denn die Kunden wünschen immer öfter, individuelle und optimierende Produkte und Systeme für ihre Produktionsabläufe. Gesucht sind neue innovative Lösungen. Machine Vision gehört zu den angebotenen Lösungen, die zunehmend nachgefragt werden. Die industrielle Bildverarbeitung findet in nahezu allen Industrien Anwendung. Denn in der industriellen Fertigung steigt der Automatisierungsgrad und die Nachfrage nach einer permanenten Optimierung der Produktivität und Produktqualität. Neben einer höheren Effizienz und verbesserten Flexibilität in der Automatisierung können die Kunden zudem kürzere Rüstzeiten und eine flexiblere Produktion erreichen. Die Technologien der Branche unterstützen produzierende Unternehmen auch bei der Schonung von Ressourcen und der Minimierung von Umweltbelastungen.

 

Durch die Software von Isra Vision benötigt es bei der Implementierung der Technologie kein Expertenwissen mehr. Die Software leitet den Anwender Schritt für Schritt durch den Prozess der Inbetriebnahme. Das anwendende Unternehmen kann die Systeme somit schnell und einfach selbst automatisieren. Das führt zu einer Reduktion der Gesamtkosten und zu Wettbewerbsvorteilen. Isra befreit damit die Automatisierung aus ihrem starren Korsett. Denn früher mussten neue Systeme unter großem Zeitaufwand und von Experten integriert und eingerichtet werden. Isra Vision bietet somit ein fertiges Werkzeug für die Automatisierung von Produktionsprozesse.

Isra Vision sieht sich nicht als klassischer Zulieferer. Denn die Systeme des Unternehmens werden sowohl in schwachen als auch in starken Konjunkturphasen benötigt. Gerade in konjunkturellen Abschwungphasen sind bspw. Automobilbauer dazu gezwungen, ihre Produktionsprozesse zu optimieren und die Kosten durch eine verbesserte Effizienz zu senken. In besseren Phasen gilt es sich mittels hoher Produktqualität im Wettbewerb durchzusetzen. Die Nachfrage nach diesbezüglichen Lösungen von Isra Vision bzw. der Branche wird daher weiter steigen. Die Branche ist somit relativ konjunkturunabhängig.

 

Doch ist die Branche in einem ständigen Wandel. Isra Vision und die anderen Unternehmen dürfen nicht den Anschluss oder neue Trends verpassen. Durch die vielen kleinen Nischenanbieter und den hohen Anreiz, sich in dieser Branche zu betätigen, existiert ein hoher Wettbewerbsdruck. Zudem ist Isra Vision von Großkunden abhängig. Das Unternehmen betreibt sein Geschäft überwiegend mit führenden Unternehmen der jeweiligen Branche. Der Wegfall von Großkunden und etwaige Reaktionen anderer könnten große Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Aus diesem Grund setzte sich Isra Vision das Ziel, dass kein einzelner Kunde mehr als 5 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen darf. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen dieses Ziel erreichen.

 

Isra Vision kann eine gute finanzielle Stabilität aufweisen und das Geschäft läuft rentabel. Die Aktie ist seit der Wirtschaftskrise 2008/09 konstant angestiegen. Die Vergleichskennzahlen-Analyse (Equity-Multiplikatoren) zeigt, dass die aktuelle Bewertung der Aktie am Kapitalmarkt deutlich höher als die des Acht-Jahres-Durchschnitts ausfällt. Doch konnte das operative Geschäft stets mitwachsen, wodurch die steigende Börsenbewertung sicher nicht ungerechtfertigt ist. Betrachtet man die anderen Wettbewerber ist Isra Vision nicht überbewertet, sondern liegt zumeist im Schnitt. Aufgrund der Geschäftsfähigkeit und der Wachstumsaussichten des Unternehmens sehe ich für die Aktie, langfristig gesehen, noch viel Luft nach oben  

 

Valuation Metrics

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0