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Super Stocks - Kenneth L. Fisher

In dem im Jahr 1984 veröffentlichten Buch „Super Stocks“ erläutert der Autor und Investor Kenneth L. Fisher seine Methode zur Suche und Identifikation sogenannter Super Stocks. Fisher beschreibt diese als Aktien, die innerhalb eines Zeitraums von drei bis fünf Jahren, das drei- bis zehnfache an Wert zulegen können. Das entspricht langfristigen Ertragsraten von 25 bis 100 Prozent im Jahr. Ken Fisher legt bei der Suche dieser Aktien großen Wert auf die Verwendung des Kurs-Umsatz-Verhältnis. Für den Investor funktioniert diese Kennzahl besser als das Kurs-Gewinn-Verhältnis, da der Umsatz als stabiler als andere Ertragszahlen ist. Hohe zukünftige Umsatzerlöse und ein folglich niedriges zukünftiges KUV führen in Verbindung mit positiven Ertragsmargen langfristig zu einem niedrigen KGV, also zu einem günstigen Kauf. Fisher schreibt in seinem Buch drei Regeln für das KUV:

 

1.        Vermeiden Sie Aktien mit einem KUV von über 1,5 und kaufen Sie niemals eine Aktie mit einem KUV von über drei.

2.        Suchen Sie Aktien mit einem KUV kleiner 0,75 und halten Sie diese langfristig.

3.        Verkaufen Sie eine Aktie, wenn das KUV auf einen Wert über drei bis sechs fällt.

 

Im Zusammenhang mit der Suche nach Super Stocks beschreibt der Autor sogenannte „Dellen“. Diese Dellen treten in der Geschichte eines Unternehmens auf und können verschiedene Ursachen haben:

  • Die Kosten (Produktion, Marketing, Vertrieb) sind in Erwartung immer größerer Umsatzmengen gestiegen. Folglich müssen die erwirtschafteten Gewinne in verschiedene Unternehmensbereiche investiert werden. Diese Kosten können durch Maßnahmen zur Senkung der Gemeinkosten abgefangen werden. Doch dies benötigt Zeit. Der zwischenzeitliche Rückgang der Umsatzerlöse und Gewinne können in Form einer „Delle“ zum investieren ausgenutzt werden.
  • Hohe Abschreibungen auf Anlagen oder missglückte Projekte können die operativen Zahlen eines Unternehmens negativ beeinträchtigen. Ein daraus folgender Ertragsrückgang wird oftmals an den Märkten abgestraft und kann für Value-Investoren zu einer guten Einstiegsmöglichkeit führen.
  • Aufgrund von Konkurrenzsituationen ist ein Unternehmen eventuell dazu gezwungen, für den Ertrag negative Maßnahmen zu treffen, um Kunden daran zu hindern, zum Wettbewerber zu wechseln. Die negativen Folgen können zu einer „Delle“ führen.

Beim Investieren in Super Stocks spielt neben der Marktbewertung auch der Wert des Unternehmens eine wesentliche Rolle. Für Fisher müssen Unternehmen über eine gute Wachstumsorientierung und Marketingfähigkeit verfügen. Des Weiteren sucht der Autor nach dem „unfairen Vorteil“ in einem Unternehmen.  Dieser kann im Absatz oder Vertrieb, in der führenden Technologie, dem Ruf und der Qualität oder in Skalenerträgen liegen. Des Weiteren spielt für Fisher die Mitarbeiterqualität und das Finanzkontrollsystem eines Unternehmens eine entscheidende Rolle bei der Aktienanalyse.

 

Der Autor legt zudem viel Wert auf die Margenanalyse. Fisher erläutert, dass es durch hohe künftige Margen, zu einem niedrigen zukünftigen KGV kommt. Der nachhaltigste Weg, die Rentabilität zu erhöhen, besteht darin, in neue Produktionsprozesse, Kostenkontrollen, F&E, Marketing und Vertrieb – also in die Gemeinkosten – zu investieren. Eine Kürzung dieser führt nur kurzfristig zu verbesserten Margen. Hohe Bruttomargen entstehen durch:

  • Produktplanung (Marketing): Einschätzung der Kundennachfrage, Preiskalkulation und Mengeneinschätzung.
  • Fertigungstechnik: Skaleneffekte und die Erfüllung der Kundenbedürfnisse.
  • Wirtschaftliche Herstellungskosten bei jedem Produktionsschritt.

Fisher sucht also nach Aktien, die zwar hoch im Kurs der Finanzwelt stehen, sich jedoch aufgrund eines negativen Ereignisses kurzfristig unbeliebt gemacht haben und aufgrund einer „Dellenbildung“ günstig geworden sind. Bei der Marktbewertung der Aktie konzentriert sich der Investor auf das KUV. Mittlerweile äußert sich jedoch auch der Autor selbst kritisch zu dieser Kennzahl. In seinem Buch „The Only Three Questions That Count“ (2007) gibt Fisher zu, dass der Indikator bereits in den Märkten eingepreist hat und er somit nur noch wenig Aussagekraft besitzt.

 

Das Buch enthält einige Vielzahl hilfreicher Informationen zur Analyse von Finanzzahlen und der Identifikation von Wettbewerbsvorteilen. Des Weiteren beschreibt Ken Fisher seine Methode zum Finden unterbewerteter, aber trotzdem qualitativ hochwertiger Aktien. Seine präferierte Kennzahl, das KUV, kann in der heutigen Zeit jedoch nicht als wesentliche Kennzahl zur Marktbewertung verwendet werden. Das Buch ist für interessierte Value-Investoren zu empfehlen.   

 

 

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